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Eine Frage der Hose - Fußballer mögen es lang

Berlin (dpa) - 31.05.2006, 16:34 Uhr

Bei der WM 1994 in den USA trug Jürgen Klinsmann selbst noch kurze Hosen.
Bei der WM 1994 in den USA trug Jürgen Klinsmann selbst noch kurze Hosen.

Von wegen Männer in kurzen Hosen: Fußballer tragen ihr Beinkleid, anders als zu Beckenbauers Zeiten, fast so lang wie Bermudas.

Die deutsche Elf läuft zur Weltmeisterschaft traditionell in einem Modell von Adidas auf, in Schwarz und mit drei weißen Streifen; dazu nehmen diesmal zierliche gelbe und rote Streifen die Nationalfarben auf, drei Sterne stehen für die drei WM-Titel, die Deutschland gewann. Während das WM-Maskottchen Goleo unten ohne geht, sichert sich mancher Profi mit einer extra Radlerhose ab, was die Muskeln warm hält - und auch eine kleine Marotte sein kann.

«Die Hosen müssen leicht sein», sagt Karl Quade, Experte für Biomechanik am Bundesinstitut für Sportwissenschaft (Bonn). Außerdem muss die Kleidung Zweikämpfe aushalten, ohne dass im «Herrenbereich das eine oder andere sichtbar wird», wie Quade es formuliert. Mancher Spieler greife sogar zusätzlich zur Badehose, um auf Nummer sicher zu gehen. Beim Stoff ist es laut Quade wichtig, dass der Schweiß nach außen transportiert wird. Deswegen sind Fußballerhosen im Jahr 2006 aus Microfaser und nicht mehr aus Baumwolle wie zu Zeiten des Wunders von Bern 1954, als Helmut Rahn in Flatterhose das entscheidende 3:2 im Finale gegen Ungarn schoss.

Später wurden die Hosen knapper, wie man zum Beispiel bei den Bildern des WM-Siegers Deutschland 1974 und 1990 sehen kann. Das kurze Adidas-Modell mit Seitenschlitz und Satinoptik, in dem in den 70ern und 80ern ganze Generationen von Kickern bolzten, ist heute eher etwas für Retro-Fans. Dass die Modelle der Profis inzwischen länger sind, ist laut Quade in erster Linie Optik und nicht reine Funktion. Auch in anderen Sportarten wie Tennis ist mittlerweile deutlich weniger Männerbein zu sehen als zu Björn Borgs Zeiten. «Die Hosen sind funktioneller, atmungsaktiver und leichter geworden», sagt Adidas-Sprecher Oliver Brüggen zum Thema Fußball. Das Modell für die Nationalmannschaft hat Hausdesignerin Patricia Papp entworfen. Es ist aus einem «sehr atmungsaktiven Material» namens «Climacool».

Bei Puma sind die Hosen hinten etwas länger als vorne, damit der Fußballer noch besser sprinten kann, wie Sprecher Ulf Santjer erklärt. Während Adidas seit fünf Jahrzehnten das Nationalteam versorgt, beansprucht der Rivale aus Herzogenaurach für sich, mit zwölf Teams die meisten Mannschaften bei der WM eingekleidet zu haben, darunter die Italiener. Dass Fußball nicht immer der Platz für Avantgarde ist, hat der Hersteller erfahren, als er 2004 Kamerun zum Afrika-Cup im sexy Einteiler spielen ließ. Die Sache endete in einem Gerichtsstreit mit der FIFA, bis es eine außergerichtliche Einigung gab.


Ein Einteiler hat zumindest den Vorteil, dass die Hose nicht rutschen kann. Der italienische Stürmerstar Giuseppe Meazza hätte bei einem Elfmeter bei der WM anno 1938 vor 70 000 Zuschauern fast unten ohne dagestanden, weil ihm der Gummizug gerissen war. Er verwandelte trotzdem - die Hose hielt er mit der linken Hand fest. Und noch eine textile Anekdote findet sich in Christian Eichlers «Lexikon der Fußballmythen» (Piper Verlag): Als Torwart Jens Lehmann, heute Deutschlands Nummer eins, zu seinem ersten Lehrgang bei der Junioren-Nationalmannschaft in Jeans erschien, soll ihn angeblich der damalige Juniorentrainer Berti Vogts ermahnt haben: «Beim nächsten Mal hast du aber eine Stoffhose an.»

Zur WM 2006 hat Gabriele Strehle die Anzüge entworfen, die die deutschen Spieler außerhalb des Platzes tragen. Was die Modedesignerin von den Adidas-Sporthosen hält, ist nicht zu erfahren: «Da wird sich Frau Strehle nicht äußern», heißt es bei Strenesse in München.

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