Drei Monate vor dem Beginn der Weltmeisterschaft hätte Jürgen Klinsmann nach eigener Einschätzung seinen Job als Bundestrainer verlieren können.
«Es war lehrreich zu sehen, dass man mich kippen wollte wegen eines verlorenen Spiels, dem 1:4 in Italien. Es war lehrreich, mit welcher Freude da einige 18 oder 19 Monate Arbeit kaputtmachen wollten», sagte der Bundestrainer der «Zeit».
Nach der blamablen Vorstellung am 1. März in Florenz und seinem anschließenden Fernbleiben beim FIFA-WM-Workshop in Düsseldorf war Klinsmann von einigen Entscheidungsträgern der Bundesliga und einigen Medien scharf attackiert worden. «Ich habe unterschätzt, wie lange manche Leute in Deutschland brauchen würden, bis sie einsehen, dass wir ein Fitness-Problem, ein taktisches Problem und ein Schnelligkeitsproblem im Fußball haben. Statt um Inhalte ging es um Personen», sagte Klinsmann. «Viele Leute, die uns kritisieren, haben bis heute keinerlei Einblick in unsere Arbeit. Kein Günter Netzer, kein Franz Beckenbauer, kein Lothar Matthäus, kein Paul Breitner hat je eine Trainingseinheit von uns gesehen.»
Bei ausbleibendem WM-Erfolg gebe es keine Chance, seine Arbeit als Bundestrainer über das Turnier hinaus fortzusetzen, wiederholte Klinsmann: «Wenn es nicht gut läuft, bin ich weg, das ist mir selber auch klar.» Einen Misserfolg würde er sich als persönliche Niederlage anrechnen, unterstrich der 41-Jährige: «Ich würde die Schuld nicht bei anderen suchen.»