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Wetter: Bei der WM ist alles möglich

Frankfurt/Main (dpa) - 31.05.2006, 13:58 Uhr

Ein Arbeiter schiebt im Frankfurter Stadion den Regen von der Spielfläche.
Ein Arbeiter schiebt im Frankfurter Stadion den Regen von der Spielfläche.

Fußball-Legende Fritz Walter mochte es auf dem Platz gerne nass. «Fritz-Walter-Wetter» für regnerische Tage auf dem Fußballfeld ist ebenso ein Begriff geworden wie das Idol selbst.

Tatsächlich spielt das Wetter nach Untersuchungen von Meteorologen beim Kampf um Tore eine wichtige Rolle. Wem Petrus bei der Weltmeisterschaft in den kommenden Wochen als «zwölfter Mann» auf dem Platz den Rücken stärken wird, ist derzeit allerdings noch offen.

Die Wetterkundler halten sich mit Prognosen gut eine Woche vor dem Eröffnungsspiel (9. Juni) noch zurück. «Es ist alles möglich», sagt Meteorologe Jens Hoffmann vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach. In Sachen Wetterkapriolen könne der Juni dem April durchaus Konkurrenz machen. Dauerregen, Gewitter und Bodenfrost seien keine Seltenheit. «Es kann aber auch bullig heiß sein.» Erste Vorhersagen für das WM-Wetter hat der DWD für den 1. Juni geplant.

Die Konkurrenz preschte bereits vor: Für das Eröffnungsspiel am 9. Juni sagte der Wetterdienst Meteomedia eher trübes Wetter voraus. «Es sieht nicht nach brüllendem Sommer aus», sagte der Meteomedia-Chef Jörg Kachelmann der dpa. Nach den jüngsten Computerberechnungen, die allerdings noch sehr unsicher seien, könnten die Temperaturen etwa 20 Grad erreichen. Außerdem gebe es eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für Regen.

Legt man allein die Wetterstatistik der vergangenen zehn Jahre zu Grunde, könnte das «heißeste» Spiel der WM Meteomedia zufolge die Begegnung England gegen Paraguay am 10. Juni in Frankfurt werden. Dort seien an diesem Tag durchschnittlich 19,37 Grad gemessen worden, sagt Wetterexperte Manfred Spatzierer. Im Juni sei es durchaus normal, wenn die 30-Grad-Marke überschritten werde. Hitzeschlachten wie bei der WM 1994 in den USA seien aber nicht zu erwarten, sagt Spatzierer. Damals musste die deutsche Mannschaft bei etwa 50 Grad gegen Südkorea antreten, der heutige Teamchef Jürgen Klinsmann steuerte zum 3:2-Sieg zwei Treffer bei.


Auf besonders viel Sonne können die Teilnehmer des Achtelfinales am 26. Juni in Köln hoffen. Dort habe in den vergangenen Jahren an diesem Tag durchschnittlich fast zehn Stunden lang die Sonne gescheint, sagt Spatzierer. Trüb sehen dagegen die statistischen Daten für den Austragungsort der Partie Schweiz gegen Südkorea am 23. Juni in Hannover aus: Dort gab es im Durchschnitt nur 4,6 Sonnenstunden.

Tschechien und Italien müssen am statistisch kühlsten Spieltag gegeneinander antreten. Wie Spatzierer berichtet, lag die Durchschnittstemperatur der vergangenen zehn Jahre in Hamburg am 22. Juni bei 15,4 Grad. Allerdings gibt es für die Fans Trost: Fußball heizt nach Messungen des Internet-Dienstes donnerwetter.de nicht nur die Stimmung an. Die Bonner Experten stellten bei einem Spiel des MSV Duisburg gegen Werder Bremen fest, dass im Stadion die Temperatur um bis zu vier Grad höher lag als außerhalb der Arena.

Das Halbfinale in München wird den Meteomedia-Berechnungen zufolge am statistisch nassesten Tag ausgetragen. Am 5. Juli habe es in den vergangenen zehn Jahren in der bayerischen Landeshauptstadt durchschnittlich knapp 7,2 Liter pro Quadratmeter geregnet. In der WM-Geschichte lieferten sich Deutschland und Polen im Jahr 1974 eine der spektakulärsten Wasserschlachten auf dem grünen Rasen. Sintflutartige Regenfälle hatten das Frankfurter Waldstadion in eine Seenplatte verwandelt. Deutschland gewann das entscheidende Zwischenrundenspiel mit 1:0, zog damit ins Finale ein und wurde Weltmeister im eigenen Land.

Auch in diesem Jahr sollten Klinsmanns Kicker nach Einschätzung von Meteorologen auf die Gunst der Wettergötter hoffen. Regen gegen Brasilien, Hitze gegen England und der Titel sei Deutschland fast schon sicher, behaupten die donnerwetter.de-Experten. Extreme Wetterbedingungen machen den Vorteil spielerisch überlegener Mannschaften nach Untersuchungen der Zeitschrift «Wettermagazin» teilweise wett. «Wir konnten das sprichwörtliche Fritz-Walter-Wetter als spielentscheidenden Faktor nachweisen», sagt Herausgeber Frank Böttcher.

1954 hatte Bundestrainer Sepp Herberger vor dem WM-Finale gegen Ungarn in Bern den Schnürlregen als gutes Omen gedeutet: «Dem Fritz sei Wedder.» Nach dem Spiel rief Herbert Zimmermann in seiner zum Klassiker gewordenen Reportage ins Mikrofon: «Aus! Aus! Aus! Aus! Aus! Das Spiel ist aus! Deutschland ist Weltmeister, schlägt Ungarn mit drei zu zwei im Finale von Bern!» Das «Wunder von Bern» war perfekt.

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