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Fancamps: Für junge Leute mit schmalem Geldbeutel

Berlin (dpa) - 30.05.2006, 13:42 Uhr

Susanne (l) und Berthe (r) bedienen im Verpflegungszelt des Fancamps in Dortmund.
Susanne (l) und Berthe (r) bedienen im Verpflegungszelt des Fancamps in Dortmund.

Lagerfeuerromantik und Schlafen unterm Sternenhimmel: Wem ein Zimmer in einem Hotel oder einer Pension zu teuer ist, kann während der Fußball-Weltmeisterschaft auch in einem der zahlreichen Fancamps sein Zelt aufschlagen oder mieten.

Von der Nordsee bis zu den Alpen bietet allein die Fanorganisation «Ein Dach für Fans» in 17 Zeltstädten bis zu 45 000 Schlafplätze an. Viele Camps entstehen in Fußballstadien, Messehallen oder ehemaligen Sportanlagen. Darüber hinaus haben auch zahlreiche Kommunen und Städte eigene Projekte.

Vor allem junge Fans mit wenig Geld nutzen diese Angebote. Die Übernachtung kostet im Schnitt zwischen 5 und 35 Euro. An einigen Plätzen ist sie auch kostenlos, dann muss aber das eigene Zelt mitgebracht werden.

Allein in Dortmund gibt es drei Anlagen. Eines der größten Camps entsteht derzeit in den Westfalenhallen. Dort werden 12 Quadratmeter große Kojen mit jeweils zwei Stockbetten für vier Personen aufgebaut. «Insgesamt werden wir 3 900 Betten anbieten», sagt Organisator Rüdiger Missner. Derzeit gebe es schon knapp 11 000 Buchungen. Im Übernachtungspreis von 35 Euro ist auch ein Kombiticket für den öffentlichen Nahverkehr in ganz Nordrhein-Westfalen enthalten.

«Wir wollen den Kontakt zwischen den Fans herstellen und den Gästen aus aller Welt für wenig Geld ein schönes Umfeld bieten. Denn wer sich wohl fühlt, pöbelt auch nicht», betont Mitinitiator Marc Bialojahn. Zahlreiche Campbetreiber haben Rundum-Sorglos-Pakete zusammengestellt - vom Shuttleservice zu den Stadien bis zur großen WM-Party. Viele Anlagen liegen zudem sehr günstig: Oft haben die Fans es von dort nicht weit zu den Spielstätten. Außerdem gibt es viele Freizeit- und Sportangebote. Manche Zeltstädte befinden sich auch in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem Badesee oder Freibad.


Eine «Oase im Grünen» inmitten der Stadt haben vier junge Berliner aufgebaut. In einem stillgelegten Freibad im Stadtteil Tiergarten kann man in ihrer «Tentstation» für 10 bis 15 Euro die Nacht in eigenen oder gemieteten Zelten unter alten Bäumen schlafen - das Regierungsviertel und die Fanmeile sind in zehn Minuten zu Fuß zu erreichen. Auf einer großen Leinwand werden die Fußballspiele live übertragen. In dem mit Sand aufgefüllten ehemaligen Schwimmbecken können sich die jungen Gäste bei Beachvolleyball oder Badminton vom WM-Trubel erholen. «Bislang haben schon Fans aus Schweden, Brasilien, den Niederlanden und Kanada gebucht. Die Nachfrage ist groß», betont Platzbetreiberin Sarah Oswald.

In Stuttgart ist nur fünf Gehminuten vom WM-Stadion eine Zeltstadt mit 80 Zelten und rund 200 Schlafplätzen entstanden. Die Übernachtung kostet 10 bis 12 Euro, Frühstück inklusive. «1800 Buchungen liegen schon vor», sagt Carla Amado. Die meisten Gäste kommen aus Holland und England. Um auf mögliche Auseinandersetzungen zwischen den Fans vorbereitet zu sein, erhielten alle Camp-Mitarbeiter ein Deeskalationstraining. Außerdem wird eine Sicherheitsfirma das Zeltlager betreuen.

Im Leipziger Bruno-Plache-Stadion wird derzeit auf einer Fläche von 45 000 Quadratmetern ein Camp mit 1500 Zwei-Mannzelten aufgebaut. Die Betreiber bieten neben zahlreichen Kulturevents und Sportmöglichkeiten auch einen Shuttleservice zu einem nahe gelegenen Badesee mit Sandstrand. Das «Kapuzinerhölzl» in München ist hingegen ganz auf Öko eingestellt. In dem Camp nahe des Botanischen Gartens sind die Mahlzeiten überwiegend aus ökologischem Anbau. Für die Fans stehen auch Internet-Terminals, Kickertische und Torwände bereit. Und in lauen WM-Nächten wird «ein romantisches Lagerfeuer» angezündet.

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