Der Heimvorteil spielt eine Schlüsselrolle im WM-Projekt des Bundestrainers. «Diese Mannschaft braucht das Publikum im Rücken», betonte er. Allerdings sieht Routinier Bernd Schneider auch die Gefahr, dass sich die junge Mannschaft vom euphorischen Publikum zu sehr nach vorne treiben lassen könnte. «Man muss aufpassen, dass man da nicht unnütze Wege geht», sagte der Leverkusener Lokalmatador. In der ausverkauften BayArena werden die Japaner zudem kein Spielball à la Luxemburg sein. «Das ist eine bessere Messlatte, ein ganz anderes Kaliber», betonte Klinsmann. Vor allem die Abwehr dürfte gegen die flinken Asiaten anders als gegen Luxemburg auf den WM- Prüfstand kommen. «In der Rückwärtsbewegung müssen wir sehr wachsam sein», warnte Klinsmann. Die intensiven taktischen Trockenübungen in Genf soll das Team gegen die Asiaten unter Wettkampf-Bedingungen umsetzen. «Es ist wichtig, dass das System der Viererkette sitzt», betonte Lehmann, der am Dienstag 90 Minuten im Tor stehen wird. Spannend bleibt, wie Klinsmann gegen Japan und erst Recht gegen Costa Rica die Innenverteidigung besetzen wird. Per Mertesacker und Christoph Metzelder gelten als Wunschpärchen. Gegen Japan darf aber der Noch-Leverkusener Jens Nowotny sein Länderspiel-Comeback nach fast zwei Jahren feiern und sich empfehlen. «Die Überlegungen sind nicht abgeschlossen für das Eröffnungsspiel», betonte Klinsmann. Geklärt sind dagegen die Fronten auf den Außenpositionen. Der schwächelnde Arne Friedrich bekam von Klinsmann am Montag zum 27. Geburtstag das WM-Startticket für die rechte Seite geschenkt. «Wir haben da gar keine Bedenken», sagte der Bundestrainer. Bernd Schneider oder Torsten Frings kommen dort als Notlösungen nur zum Zuge, «wenn es brennen sollte». Links bleibt der Gladbacher Marcell Jansen weiterhin nur der Platzhalter für Philipp Lahm, der selbst mit seiner Ellbogenverletzung seine Position verteidigt hat. «Wer sich mit einer Gipsschiene im Training so quälen kann, der brennt. Auch Marcell weiß, dass Philipp links gesetzt ist», erklärte Klinsmann. Nach den Übungsschwerpunkten Kondition und Taktik im Genfer Trainingscamp wird erst nach dem Japan-Test in Düsseldorf und anschließend im Berliner WM-Quartier die letzte Feinjustierung vorgenommen. Insbesondere Standardsituationen wie Freistöße und Eckbälle sollen dann im Geheimtraining einstudiert werden. Die deutsche WM-Wundertüte wird Klinsmann aber erst am 9. Juni in München vor dem Weltpublikum öffnen: «Zeigen werden wir diese Sachen in den Testspielen noch nicht. Das kann ja sonst schon jeder sehen.»
 |