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Engländer radebrechen WM-Deutsch

London (dpa) - 29.05.2006, 10:12 Uhr

Es ist schon ein Kreuz mit den Deutschen und ihrer Sprache, wenn man Engländer ist: Kaum hat man gelernt, was ein Blindenhund ist, muss man es schon wieder vergessen. So jedenfalls erging es den Teilnehmern eines Sprachkurses, die vor der Fußball-WM am Londoner Goethe-Institut Deutsch lernen wollten:

Weil Schiedsrichter- und Blindenfunktionären in Deutschland nicht gefiel, dass auch der Sportplatz-Klassiker «Der Schiri braucht 'nen Blindenhund» («The ref needs a guide dog») unterrichtet wurde, musste der Satz aus dem Lehrplan wieder gestrichen werden.

Das ändert aber nichts daran, dass die Briten in diesen letzten Tagen vor der WM plötzlich ihr Interesse an der deutschen Sprache entdeckt haben. Selbst in den großen Boulevardblättern, die ansonsten an deutschen Vokabeln allenfalls «Blitzkrieg» und «Panzer» verwenden, gibt es plötzlich Sprachtipps für die 100 000 englischen Fans, die sich zur Weltmeisterschaft auf den Weg machen wollen. «Bratwurst» und «Flasche Bier» scheinen dabei besonders wichtig zu sein.

Auch im offiziellen Fan-Magazin «Free Lions», das in Zusammenarbeit mit dem britischen Außenministerium entstand, finden sich wichtige Begriffe in deutscher Übersetzung. Dabei werden die Anhänger von Beckham & Co. auf jeden möglichen Ausgang vorbereitet: Das Vokabular reicht von «world cup winner» («Weltmeister») bis «It's a shame» («Was für eine Schande»). Auch hier fehlt jedoch der warnende Hinweis an den Schiedsrichter nicht: «Ref, we know where your car is» («Schiri, wir wissen, wo Dein Auto steht»). Noch scheint das in Deutschland keiner gemerkt zu haben.

Für die größte Aufmerksamkeit sorgte jedoch der «Deutschkurs für Fußballfans», den das Goethe-Institut in acht Doppelstunden gab. Kursleiterin Katja Wostradowski brachte den 16 Teilnehmern für 195 Pfund (285 Euro) Fußballdeutsch bei, darunter auch Zungenbrecher wie «Lieblingsmannschaft» oder «Schienbeinschoner». Für 60 weitere Engländer gab es in einer Sportsbar noch einen einstündigen Schnellkurs. Bei Nigel Braybrock blieb immerhin ein Satz hängen. «Ich werde vor allem "Ein Bier, bitte" in Erinnerung behalten.»


Die Fans sind auf ihre Brocken Deutsch nicht wenig stolz. Kein Wunder, wenn man weiß, wie schwer sich die meisten Engländer mit Fremdsprachen tun. Nach einer kürzlich veröffentlichten Untersuchung geben 62 Prozent der Briten zu, dass sie keine einzige andere Sprache beherrschen. Im europäischen Durchschnitt betrifft dies weniger als 50 Prozent. Und wenn die Engländer doch eine Fremdsprache können, ist es meist Französisch. Die Sprache von Goethe und Ballack wird derzeit gerade einmal von einem Prozent der britischen Abiturienten gelernt.

Auch beim auflagenstärksten Boulevardblatt «Sun» wurden kürzlich gewisse Deutsch-Schwächen deutlich, als das Blatt seinen 3,3 Millionen Käufern die deutsche Übersetzung von einigen Fan-Klassikern liefern wollte. Aus der Hymne «God Save Our Gracious Queen» («Gott schütze unsere gütige Königin») wurde durch das falsche Übersetzungsprogramm ein verwirrendes «Gott Speichern Unsere Liebenswürdige Königin».

Und aus dem Anfeuerungsruf «Score In A Minute, We're Gonna Score In A Minute» («Tor in einer Minute, wir schießen in der nächsten Minute ein Tor») machte die «Sun» ein harmlos-verwirrendes «Zählen in einer Minute, werden wir in einer Minute zählen.» Eines steht fest: So wird es für England, das nun schon seit 40 Jahren warten muss, wieder nichts mit dem Titel.

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