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Deutsche Stürmer schüren WM-Euphorie

Freiburg/Genf (dpa) - 28.05.2006, 13:08 Uhr

Miroslav Klose (l) und Lukas Podolski freuen sich über den Treffer zum 1:0 .
Miroslav Klose (l) und Lukas Podolski freuen sich über den Treffer zum 1:0 .

Die Euphorie im WM-Land Deutschland ist kräftig angeheizt, die Abteilung Attacke läuft schon heiß - doch Jürgen Klinsmann sieht sein Team noch ein ganzes Stück von einer weltmeisterlichen Betriebstemperatur entfernt.

«Wir wissen, dass wir noch sehr viel Arbeit vor uns haben. Und wir uns jetzt auf Gegner vorbereiten müssen, die ein ganz anderes Kaliber sind als Luxemburg», erklärte der Bundestrainer nach dem lockeren 7:0 beim Warmschießen gegen den Fußball-Zwerg. Entsprechend schnell nahm die deutsche Nationalmannschaft den WM-Feinschliff wieder auf, nach einem Imbiss im Freiburger Stadion ging es sofort per Charter-Flieger zurück ins Genfer WM-Camp, in dem am Sonntag schon wieder trainiert wurde.

«Wir wollen sieben Spiele machen bei der WM - und da gehört noch jede Menge Arbeit dazu», verkündete ein entschlossener Klinsmann, der seinem Personal aber im Hinblick auf das anstehende nächste Spiel gegen Japan wenigstens einen freien Nachmittag gönnte. Robert Huth musste sich allerdings in einem Genfer Krankenhaus einer Kernspin-Untersuchung unterziehen. Der England-Legionär hatte sich in Freiburg den Fuß vertreten und am Sprunggelenk verletzt. Oliver Neuville plagte sich im Fitnessraum mit einem schmerzhaften Bluterguss im Oberschenkel. Der gegen Luxemburg wegen seiner Sprunggelenk-Verletzung fehlende Kapitän Michael Ballack absolvierte erneut mit Fitness-Coach Mark Verstegen ein Sonder-Programm. Eventuell spielt er gegen Japan schon wieder.

Die Schwerpunkt-Aufgaben des 13-Stunden-Trips in den Breisgau hatten die «Klinsmänner» auch ohne ihren Mittelfeld-Chef erfüllt, vor allem die Offensivkräfte sorgten mit Spielwitz und -freude für Zufriedenheit bei der sportlichen Leitung. Die Kumpel Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski verbreiteten mit ihrer Unbekümmertheit schon wieder jene Stimmung, die beim Confederations Cup vor einem Jahr das Fußball-Volk verzaubert hatte. Das «polnische» Angriffs-Duo Podolski und Miroslav Klose traf vier Mal, Joker Neuville steuerte in der Nachspielzeit innerhalb von 51 Sekunden seinen ersten Länderspiel-«Doppelpack» bei. Torsten Frings sorgte in seinem 50. Länderspiel per Foulelfmeter für den siebten, von 23 000 Zuschauern umjubelten Treffer. Die Fans kreierten schon den neuen WM- Finalsong: «Berlin, Berlin - wir fahren nach Berlin.»

«Die Mannschaft hat wirklich versucht, die Dinge umzusetzen, die wir trainiert und einstudiert haben. Wir feilen daran, dass die Bälle schneller in die Spitze gespielt werden, dass wir einen höheren Rhythmus gehen», erklärte der Bundestrainer nach dem höchsten Sieg im 25. Länderspiel unter seiner Regie. Er musste allerdings auch Schwachstellen registrieren, die besonders im Defensiv-Verhalten lagen. Klinsmanns Wunschspieler Christoph Metzelder war die fehlende Wettkampfpraxis anzumerken, Arne Friedrich spielte schwach. Doch selbst Chefkritiker Franz Beckenbauer hob das Positive heraus: «Die wichtigste Erkenntnis ist, dass der Jürgen aufstellen kann, wen er will. Jeder, der reinkommt, bringt seine Leistung, jeder fügt sich nahtlos in das Gefüge ein.»


Dies galt in Freiburg vor allem für Tim Borowski. Der Bremer unterstrich, dass er aus der Rolle des Schattenmanns für Ballack heraus und neben den gesetzten Kapitän in die WM-Startelf drängt. «Er klopft da an, er möchte rein», sagte Klinsmann. Der 26-jährige Borowski ist zwar kein Mann der lauten Worte, sagte aber deutlich: «Ich werde das alles professionell durchziehen und hoffe, dass ich am 9. Juni in der Startformation stehe.»

Allerdings hat beim Luxemburger Torfestival auch Bastian Schweinsteiger seine Ambitionen auf den letzten freien Platz im Mittelfeld neben Ballack, Frings und Bernd Schneider eindrucksvoll untermauert. «Schweinsteiger war der Auffälligste und Aktivste», bemerkte Beckenbauer. «Der Kampf um die Startplätze im Mittelfeld ist heftig», gestand Klinsmann und kündigte sogar schon Härtefälle an: «Man muss Leuten wehtun, du kommst nicht rein in die Mannschaft.»

Sicher drin sind derzeit die beiden gebürtigen Polen Podolski und Klose, die für die deutschen Fans schon jetzt das WM-Traumduo sind. «Sie wachsen einfach immer mehr zusammen, weil sie jeden Tag miteinander trainieren. Lukas Podolski genießt es auch, von Miro geführt zu werden», begründete Klinsmann die Harmonie zwischen den beiden unterschiedlichen Typen, die sich auch auf dem Platz ab und an sogar in Polnisch verständigen. «Das ist Querbeet. Hauptsache ist, dass wir uns gut ergänzen», bemerkte der auf die Art der Kommunikation angesprochene Bundesliga-Toptorjäger Klose.

Trotz der sieben Tore und des freudvollen Auftritts im ersten Länderspiel der unmittelbaren Vorbereitung hielten sich auch die Hauptdarsteller mit Ableitungen Richtung WM zurück. «Man kann nicht besonders viele Schlüsse ziehen», sagte Frings, der schon vor vier Jahren in Freiburg das 7:0 gegen Kuwait und zwei Jahre später das 7:0 gegen Malta mitgestaltet hatte. 2002 führte danach der Weg bis ins WM-Finale, 2004 endete er blamabel nach der EM-Vorrunde. Klarere Hinweise, was dieses Mal auf das 7:0 folgen wird, erwartet die Teamleitung von den ernsthafteren WM-Proben am 30. Mai in Leverkusen und drei Tage später in Mönchengladbach. «Japan und Kolumbien werden uns zeigen, wo wir stehen», betonte Manager Oliver Bierhoff.

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