Neue Rotation: Freiburger Fans feiern Kahn
Freiburg (dpa) - 28.05.2006, 12:05 Uhr
Kahn (m) sitzt gähnend auf der Auswechselbank zwischen Asamoah (l) und Neuville.
Als Deutschlands Nummer 1 wurde Oliver Kahn im April 2000 in Freiburg ein Golfball an den Kopf geworfen, nach seiner Degradierung zum WM-Ersatztorhüter flogen ihm die Sympathien zu. Beim ersten Länderspiel in vertauschten Rollen wurde der Schlussmann des FC Bayern München von den 23 000 Zuschauern beim 7:0-Erfolg gegen Luxemburg noch lauter gefeiert als Jens Lehmann. Der Applaus tat dem 36-Jährigen sichtlich gut und gab dem ehemaligen DFB-Kapitän Auftrieb für das Durchhalten seiner schwierigen Aufgabe als Nummer 2: «Das war keine einfache Geschichte. Es ist schön und überraschend, wie positiv ich empfangen worden bin.» Das 85. Länderspiel war die Belohnung für Kahns bislang so professionelles Verhalten nach der Torhüter-Entscheidung. Sie ist aber auch Verpflichtung, es in den kommenden Wochen so beizubehalten. Zumal es das letzte Länderspiel von Kahn gewesen sein könnte, denn die neue Form der Torhüter-Rotation dürfte bei den Tests gegen Japan und Kolumbien kaum fortgesetzt werden. Darum sprach wohl auch Franz Beckenbauer bereits von einer «großartigen Geste» von Bundestrainer Jürgen Klinsmann. «Oliver Kahn hat Großartiges geleistet und ist auf merkwürdige Art und Weise zurückgestuft worden», sagte der WM-Chef.
Der Wechsel mit WM-Torwart Lehmann zur Halbzeitpause war vorher vereinbart worden. Bei der WM müsste Lehmann allerdings schon eine Verletzung oder Rote Karte wie im Champions-League-Finale stoppen. Den Platzverweis hat der Schlussmann des FC Arsenal inzwischen jedoch aus seinen Gedanken verdrängt, auch die neue Rollenverteilung unter den Torhütern mag er nicht mehr groß kommentieren: «Ich spiele.» Im Trainingslager erscheint das Torhüter-Klima entspannter als vor Klinsmanns Entscheidung. «Wir sind absolut professionell und wissen, was die WM bedeutet», sagte Kahn. Locker lassen wird der Team-Senior aber nicht, am liebsten möchte er von den deutschen Fans auf dem Platz gefeiert werden, und das nicht nur als Nummer 2 mit guten Manieren: «Ich schaue, dass ich mein Niveau halte, weil man nie weiß, was passieren kann. Daher war es gut, heute zu spielen.»
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