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Öko-Institut verspricht «klimaneutrale» WM

Darmstadt (dpa) - 26.05.2006, 10:04 Uhr

Einer Fotovoltaikanlage auf der Tribüne des Stadions in Kaiserslautern.
Einer Fotovoltaikanlage auf der Tribüne des Stadions in Kaiserslautern.

Solaranlagen auf Stadion-Dächern, dazu Zisternen zur Wassergewinnung, Grüner Strom und Getränke im Pfandbecher: Wenn der Fußball ab dem 9. Juni rollt und die Welt zu Gast bei Freunden ist, will sich Deutschland auch in Sachen Umweltschutz weltmeisterlich zeigen.

Zu den 64 Spielen in 12 Städten werden mindestens 3,2 Millionen Fans erwartet. Und damit jede Menge Verkehr auf Straßen und in der Luft, riesige Müllberge und ein enormer Strom- und Wasserverbrauch.

«Erstmals wird eine derartige Großveranstaltung dennoch keine negativen Auswirkungen auf das Weltklima haben», verspricht der Chemiker Hartmut Stahl vom Öko-Institut in Darmstadt. Er leitet dort das vom WM-Organisationskomitee initiierte Projekt «Green Goal», was Grünes Tor und Grünes Ziel bedeuten kann, mit dessen Ausgestaltung sein Institut beauftragt wurde. Das ehrgeizige Vorhaben: Abfall vermeiden, den Straßenverkehr reduzieren sowie Wasser und Energie effizient und sparsam nutzen.

Emissionen, die sich dennoch nicht vermeiden lassen, werden durch drei Umwelt-Projekte in Indien und Südafrika kompensiert, erklärt Thomas Hackbarth vom Organisationskomitee. Die Kosten von 1,2 Millionen Euro tragen der Weltfußballverband FIFA, der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und private Sponsoren.

Denn trotz aller Bemühen rechnet Stahl damit, dass im direkten Zusammenhang mit der Fußball-WM 100 000 Tonnen Kohlendioxid zusätzlich ausgestoßen werden. Darin eingerechnet sind der nationale Verkehr zu den Stadien und zwischen den Spielorten, Übernachtungen der Fans in Hotels sowie der Bau und Betrieb der Stadien.


Der Straßenbau und der internationale Flugverkehr zur WM werden hingegen nicht beachtet. Das kritisieren Umweltschützer. Die Zeitung «taz» warf der FIFA jüngst gar vor, die internationalen Flüge zu «unterschlagen». «Auch der Lärm, die Feinstaubbelastung oder verstopfte Straßen wurden von Green Goal nicht berücksichtigt», klagt Rüdiger Rosenthal vom BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland).

Außerdem seien beim Bau der Stadien ökologische Maßnahmen erst zu spät integriert worden. «Immerhin, jetzt werden doch noch Solar- und Regenwasseranlagen gebaut.» Green Goal sei gut und richtig, aber nicht ausreichend. Der Politik warf der Umweltschützer vor, die WM als Alibi für neue Autobahnkilometer zu missbrauchen und ökologische Alternativen nicht zu berücksichtigen.

Vernichtender fällt das Urteil des Magazins «neue energie» aus, das den meisten WM-Stadien in ihrer Mai-Ausgabe mäßige bis schlechte Umweltzeugnisse ausstellte. Beim Öko-Institut in Darmstadt erzeugt diese Einschätzung verständnisloses Kopfschütteln: «Die Behauptung, die deutschen WM-Stadien seien wenig umweltfreundlich, ist schlichtweg falsch», ärgert sich Stahl und rechnet vor: «Bislang sind im Rahmen von Green Goal in den WM-Stadien und WM-Städten Solaranlagen zur Stromerzeugung mit einer Spitzenleistung von mehr als 2500 Kilowatt gesichert. Bei den Olympischen Spielen in Sydney waren es nur 1000 Kilowatt.» Die Anlage in Dortmund sei komplett fertig, in Nürnberg und Kaiserslautern erst zum Teil.

Hinzu kommen Anlagen zur Wärmerückgewinnung in den meisten Stadien oder Energiesparlampen. Zur Spielfeldberieselung werden etwa in Frankfurt Regen- oder Brunnenwasser verwendet und die für die 64 Spiele erforderlichen 13 Millionen Kilowattstunden Strom liefert der Energieversorger EnBW in Form zertifizierten Ökostroms. Doch wenn Ballack, Beckham und Ronaldinho dem Ball in deutschen Stadien hinterher jagen, wird es für die Fans aus aller Welt noch weitere Neuheiten geben: Mit ihrer Eintrittskarte können sie 24 Stunden lang kostenlos den öffentlichen Nahverkehr nutzen, die Getränke im Stadion werden ausschließlich im Pfandbecher verkauft und das Würstchen gibt es nicht auf dem Pappteller, sondern im Brötchen.

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