Politik kommt in WM-Stimmung
Berlin (dpa) - 25.05.2006, 13:12 Uhr
Bundeskanzlerin Merkel besucht am 25. Mai den Deutschen Katholikentag in Saarbrücken.
Angela Merkel hatte in Peking heikle politische Gespräche geführt. Neben den Resultaten der Unterredungen interessierte die chinesischen Journalisten aber ebenso brennend, wie die Bundeskanzlerin die Chancen der Deutschen bei der Fußball-WM einschätze. «Ich bin sehr zuversichtlich, was die Stärke der deutschen Mannschaft angeht», antwortete Merkel Seite an Seite mit Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao. «Und wenn ein paar Menschen in China für die Deutschen die Daumen drücken, umso besser.» Was nicht wenig wäre bei 1,2 Milliarden Chinesen. Der WM-Countdown läuft. Und auch die hohe Politik gerät immer mehr in Fußball-Stimmung. Im Ausland wird die Kanzlerin auf ihren Reisen dauernd darauf angesprochen, wobei US-Präsident George W. Bush weniger mit dem «Soccer» anzufangen weiß als etwa Russlands Präsident Wladimir Putin. Aber auch in Berlin sind die Vorbereitungen der Bundestagsfraktionen und der Bundesregierung in den letzten Zügen.
Im Bundeskabinett war in den vergangenen Wochen über die spielerischen Möglichkeiten der Nationalkicker am Rande gefachsimpelt worden. Der Sicherheitsaspekt stand mehrmals auf der offiziellen Tagesordnung. Die Runde beschloss auch, dass möglichst jedes der 64 WM-Spiele durch wenigstens einen Bundesminister besucht werden soll. Damit sollte ausgedrückt werden, dass die Regierung jeden Teilnehmer des Kickevents würdigt - egal, ob die Begegnung nun Argentinien gegen die Niederlande lautet oder Tunesien gegen die Ukraine. Listen wurden herumgereicht, auf der die Minister ankreuzen konnten, für welche Spiele man eine Karte neben einem weiteren Gäste-Billett wünsche. Es kam aber wie es kommen musste: Manche Spiele wie die Begegnungen der deutschen Nationalmannschaft waren «überbucht», für andere Spiele - rund 15 Matches - hatte sich kein Minister gefunden. Zwischenzeitlich war erwogen worden, die Parlamentarischen Staatssekretäre zum «Tribünen-Dienst» zu aktivieren. Doch nun, so verlautete, sollen noch einmal im Kabinett die Minister selbst zum Besuch der restlichen Begegnungen ermuntert werden. |