Selbst die Führungsspieler waren nicht eingeweiht. Michael Ballack erreichte die Nachricht in London, wo er seine Unterschrift unter einen Drei-Jahres-Vertrag beim FC Chelsea setzte. «Das ist eine große Überraschung. Er kann aber eine Geheimwaffe sein, weil er eine enorme Schnelligkeit hat», sagte der Mannschaftskapitän zu Odonkor. Die WM-Überraschung sprintet die 100 Meter unter 11 Sekunden. Auch von anderen Entscheidungen zeigte sich Ballack überrascht: «Was weh tut, ist, dass Kevin Kuranyi nicht dabei ist, der ja letztes Jahr ein fester Bestandteil der Mannschaft war.» Klinsmann hatte alle Verlierer der WM-Auslese persönlich informiert: «Es tut den Spielern weh, aber wir können nur 23 benennen», berichtete Klinsmann von den «sehr schweren Telefonaten» mit den Verlierern. Die Gewinner bekamen gleich ihre WM-Rückennummern; Jens Lehmann übernahm als WM-Stammkraft wie von ihm zuvor gewünscht die Nummer 1 von Oliver Kahn. Gleich sechs Nationalspieler berief Klinsmann auf Abruf, da aus Verletzungsgründen noch bis 24 Stunden vor dem Eröffnungsspiel am 9. Juni in München gegen Costa Rica Nachnominierungen möglich sind: Neben Kuranyi, Ernst und Owomoyela sollen sich Torhüter Robert Enke sowie die Feldspieler Manuel Friedrich und Paul Freier fit halten. «Ich bin keineswegs sauer auf den Trainerstab, einfach nur riesig enttäuscht», kommentierte Owomoyela die Versetzung ins zweite Glied. Kuranyis Ausbootung begründete Klinsmann mit dessen Formschwäche nach der Winterpause: «Kevin hat in diesem Jahr sicher Probleme gehabt.» Der 22-jährige Hanke und der zehn Jahre ältere Neuville hätten «eine Nasenspitze» vorne gelegen. Von der Rückkehr des Leverkuseners Nowotny in die Nationalmannschaft verspricht sich der Bundestrainer «viel Erfahrung» für seinen im Schnitt 26,3 Jahre alten Kader. 2002 war Teamchef Rudi Völler mit einer im Durchschnitt knapp ein Jahr älteren Mannschaft Vize-Weltmeister geworden. In Klinsmanns Aufgebot haben nur neun Akteure bereits WM-Erfahrung. Die 23 WM-Spieler treffen sich am 16. Mai in Frankfurt am Main. Nach einem 60-minütigen Spiel gegen den Verbandsligisten FSV Luckenwalde fliegt der Tross am Abend ins Regenerationstrainingslager nach Sardinien. Richtig gearbeitet wird vom 21. Mai an am Genfer See. In der Vorbereitung stehen auch noch drei Länderspiele in Freiburg gegen Luxemburg (27. Mai), in Leverkusen gegen Japan (30. Mai) und zum Abschluss in Mönchengladbach gegen Kolumbien (2. Juni) an.
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