Polens Vorbereitung: Kurios bis chaotisch
Warschau/Wronki (dpa) - 11.05.2006, 13:39 Uhr
Herbert Fandel (2.v.r.) wirkte auf dem Platz souverän.
Die Vorbereitung der polnischen Nationalmannschaft auf die Fußball-Weltmeisterschaft ist derzeit bestenfalls kurios zu nennen. Chaotisch wäre eine ebenso treffende Bezeichnung. Ungewöhnlich ist schon, dass Nationaltrainer Pawel Janas einen Tag vor der Nominierung des WM-Kaders noch ein Testspiel in Wronki gegen die Färöer Inseln angesetzt hat und davor ein Trainingslager. Doch zu Beginn der Woche waren nur zehn Feldspieler des deutschen WM-Gruppengegners angereist, ein Torwart fehlte. «Ein sehr merkwürdiges Camp. Niemand ist da», schrieb das Fachmagazin «Przeglad Sportowy». Und die Tageszeitung «Dziennik» kommentierte: «Janas weiß nicht, was er tun soll.» Die «Gazeta Wyborcza» lästerte, dass in Wronki «von der Null bis zum Helden» alles vertreten sei - Spieler, deren WM-Teilnahme als sicher gilt, ebenso wie chancenlose Notlösungen. Kein Wunder, denn am Samstag wird in vielen europäischen Ligen noch gespielt, auch in der polnischen.
Noch immer ist nicht klar, welche Spieler noch rechtzeitig kommen werden. So sagte Leverkusens Jacek Krzynowek: «Wenn ich am Samstag 90 Minuten spiele, fahre ich nicht nach Wronki. Wenn ich in Hannover nicht oder kurz spiele, kann es sein, dass ich hinfahre.» Nach Angaben der «Gazeta Wyborcza» will Bayer-Trainer Michael Skibbe Polens Nationalcoach eine DVD-Aufnahme mit dem Auftritt des Offensivspielers schicken. Für Ebi Smolarek von Borussia Dortmund liegt nach Angaben des Vereins nicht einmal eine Bitte um Abstellung vor. Völlig offen ist vor allem, wer im Länderspiel zwischen den Pfosten stehen wird, und dabei ist die Torhüter-Frage in Polen fast so umstritten wie in Deutschland. Da zunächst kein Keeper im Trainingscamp erschienen war, durfte ein Nachwuchsmann vom örtlichen Club Amica Wronki mitmachen. |