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Parreira: WM-Titel beseitigt Armut nicht

Rio de Janeiro (dpa) - 03.05.2006, 15:59 Uhr

Ein Polizist beobachtet die Kulisse der Favela «Paraiso» in Sao Paulo.
Ein Polizist beobachtet die Kulisse der Favela «Paraiso» in Sao Paulo.

Brasiliens Fußball-Nationaltrainer Carlos Alberto Parreira will den politischen Missbrauch eines möglichen WM-Erfolg seines Teams verhindern. «Der Gewinn des WM-Titels bedeutet nicht die Lösung aller Probleme für Brasilien», warnte er in der Zeitung «O Globo».

Man habe jüngst die Weltmeisterschaften 1994 und 2002 gewonnen, und danach sei in dem südamerikanischen Land nichts besser geworden. «Wir leben heute mit denselben Elendziffern, mit denselben Problemen in der Bildung, Gesundheit, Ernährung und Gewalt wie zuvor. Wir haben uns also in nichts verbessert. Der Sieg schafft in gewisser Weise eine positive Stimmung, und das ist auch gut so, aber das dauert zwei Monate», meinte der 63-jährige Coach in dem Interview, bei dem er mit Co-Trainer Mario Zagallo auch Fragen von Fans beantwortete.

Parreira sagte unter anderem, er fühle bereits, wie ganz Brasilien vom WM-Fieber «mobilisiert» sei. Die Favoritenrolle seines Teams sei übertrieben. Die Delegation müsse aber lernen, mit ihr zu leben. «Das ist der Preis, den wir zahlen müssen, weil wir unzählige Stars haben und bei den Turnieren Confederations und Amerika-Cup Erfolg hatten. Zudem haben wir das WM-Qualifikationsturnier mit sehr guten Leistungen als Tabellenerster abgeschlossen.» Alle Mannschaften fürchteten die Seleção. Wichtig sei aber, die Gegner zu respektieren.

Zagallo fügte in seiner bekannt polemischen Art hinzu, in Deutschland werde es heißen «Brasilien gegen den Rest der Welt». Die Welt werde sich vereinen, um Brasilien zu bezwingen. «Jeder Fehler kann tödlich sein. Wir müssen das gesamte Turnier wachsam sein», sagte der Co-Trainer. Parreira verriet unterdessen, dass er Superstar Ronaldinho in Deutschland von jeglichen Deckungsaufgaben befreien wolle. «Ich will ihn frei spielen lassen wie in Barcelona.»

Bei Fragen zu seiner Zukunft nach der WM bekräftigte Parreira jüngste Äußerungen, er wolle bei einem WM-Triumph eventuell doch Nationaltrainer bleiben. «Ich habe es lange Zeit sehr bereut, dass ich 1994 den Nationaltrainerposten nur eine Woche nach dem WM-Sieg abgegeben habe. Das war wohl wegen der vielen Kritiken, die ich damals bekommen habe. Am Ende konnte ich den Geschmack des Sieges, bester der Welt zu sein, nicht genießen», klagte Parreira.


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