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Fußballbilder wecken Händlertalente

Nettetal (dpa) - 02.05.2006, 11:16 Uhr

Nicht nur zu einer WM sind Fußballsammelbilder begehrte Objekte.
Nicht nur zu einer WM sind Fußballsammelbilder begehrte Objekte.

Die Headhunter für künftige Händlertalente können auf Pausenhöfen und an Schulbushaltestellen schon mal Augen öffnen und Ohren spitzen.

Wenige Wochen vor Beginn der Fußball-WM entdecken Dreikäsehochs zwischen Flensburg und Garmisch-Partenkirchen ihre Fähigkeiten als gnadenlose Geschäftsleute. «Ein Ronaldinho für drei Figos», heißt es beispielsweise wenige Tage, nachdem der italienische Verlag Panini sein aktuelles Sammelalbum zur WM 2006 in Umlauf gebracht hat. Die neue Generation der Fußball-Knirpse erliegt der Faszination der farbigen Klebebildchen genauso, wie ihre Väter es bei allen WM- Turnieren seit 1970 vormachten - und zum Teil noch heute tun.

35 Millionen Tütchen mit je fünf Bildern hat Panini allein in Deutschland in den Handel gebracht - genauso viele, wie 2002 im Zuge der WM in Japan und Südkorea verkauft wurden. «Das ist diesmal nur die Startauflage. Wir hoffen sehr, dass wir nachdrucken müssen», sagt Panini-Sprecherin Birgit Barner. In der Druckerei in Modena schwitzen seit Wochen 200 Männer und Frauen im Drei-Schichten-Betrieb, um die Sammelleidenschaft der Fußballfans in 110 Ländern der Welt zu befriedigen. Täglich verlassen neun 24-Tonnen-Lastwagen den Werkshof, mit Ladungen von jeweils mehr als 18 Millionen Fußballbildern. 65 Millionen Bilder pro Tag werden gedruckt. Der Ausstoß von Druckereien in Brasilien, Chile und Mexiko kommt noch dazu.

Was knapp ist, wird teuer - eine der grundlegenden Regeln der Preisbildung greift auch bei Fußball-Bildchen. Die Konterfeis der Superstars scheinen in den vergangenen Jahren stets rarer gewesen zu sein, als etwa die Bilder von No-Name-Kickern aus Honduras oder Saudi-Arabien. Der Hersteller bestreitet das. «Wir drucken von allen Spielern gleich viele Bilder», sagt Birgit Barner. Es ließe sich rein logistisch gar nicht handhaben, in unterschiedlichen Erdteilen einzelne Spieler unterschiedlich zu quotieren.

Die Panini-Alben haben in den vergangenen mehr als 30 Jahren Kultstatus erreicht. Männer und Frauen, Brüder und Schwestern, Enkel und Großeltern handeln und kleben miteinander, wetteifern um das erste vollständig gefüllte Heft und ärgern sich über «Doppelte». Auf Tauschbörsen werden Bilder genauso gehandelt wie im Internet. Während der Fußball-WM treffen sich im Stadion am Bieberer Berg in Offenbach Tauschwütige aus aller Herren Länder, um bei der Sammler-WM die eine oder andere Rarität zu ergattern.


Nach der inoffiziellen Panini-Statistik liegen die Deutschen international auf Platz drei der Sticker-Rangliste. Italiener und Mexikaner sind noch eifriger beim Bildchen-Sammeln. Ganz nebenbei werden die Sammler bei ihrem Hobby auch zu Experten in Sachen Haar-, Bart- und Trikotmode der vergangenen Jahrzehnte. So wird sich Bayern Münchens heutiger Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge eines Grinsens beim Anblick seiner Fotos von 1978 oder 1982 kaum erwehren können.

Doch die Panini-Bilder sind - vor allem für die Macher selbst - mehr hartes Geschäft als reiner Spaß. Die Hefte sind Lizenzprodukte des Fußball-Weltverbandes FIFA und unterliegen härtesten Vorgaben. Die in Branchenkreisen vermuteten traumhaften Gewinnmargen werden teuer erkauft. Zum Beispiel mit erbitterten Streitigkeiten mit Spielerberatern und nationalen Fußballverbänden. Im neuesten Heft sind etwa die Spieler Englands nicht im Originaltrikot, sondern nur in rein weißen Hemden zu sehen. «Es hat keine Einigung hinsichtlich der Rechte mit dem englischen Verband gegeben», sagt Birgit Barner.

Im Heft zur Europameisterschaft 2004 ließ sich Oliver Kahn sein Recht am eigenen Bild nicht abkaufen - und fehlte prompt in der Mannschaftsaufstellung. Im aktuellen Album ist Kahn jedoch - obwohl nur Nummer zwei - als einziger deutscher Torwart abgebildet, die Nummer eins Jens Lehmann fehlt. Dafür sei jedoch lediglich der frühe Redaktionsschluss verantwortlich, versichert Panini.

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