Schäuble setzt auf «bunte WM»

Berlin (dpa) - 25.04.2006, 13:15 Uhr

Gut sechs Wochen vor Beginn der Fußball-WM hat sich Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) trotz der aktuellen Sorgen wegen Fremdenfeindlichkeit in Deutschland optimistisch geäußert.

Er sei überzeugt, dass die Welt vom 9. Juni an eine friedliche und freundliche Weltmeisterschaft erleben wird. Zugleich sagte er «jedem Ansatz von Extremismus und Ausländerfeindlichkeit» den Kampf an. «Ich bin da nicht so pessimistisch», sagte Schäuble bei einer Veranstaltung des Verbandes der Sportjournalisten in Berlin auf die Frage, ob Deutschland Gefahr laufe, ein unfreundlicher Gastgeber zu sein. Gerade die «Buntheit» der Gäste trage dazu bei, dass sich die Menschen auf die WM freuen. «Das ist kein Problem - das ist eine Chance», sagte Schäuble über die vielen ausländischen WM-Touristen.

Unterstützung erhielt der Innenminister von Wolfgang Huber, dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Wo es viele Fremde gebe, «haben wir auch keine No-go-Areas». Der Afrika-Rat hatte kürzlich für die Region Berlin-Brandenburg einen «Katalog mit Vorsichtsmaßnahmen» für dunkelhäutige WM-Besucher angekündigt. Darin sollen konkrete Hinweise auf so genannte «No-go-Areas» aufgelistet werden - also auf Gebiete, die Ausländer möglichst meiden sollten, um nicht Opfer fremdenfeindlicher Angriffe zu werden.

Schäuble verteidigte die angekündigten Maßnahmen, während des WM-Turniers wieder Kontrollen an den Binnengrenzen des so genannten Schengen-Raumes vorzunehmen. Dies sei kein Widerspruch zum WM-Motto «Die Welt zu Gast bei Freunden». Die Bundesregierung setze das Abkommen nicht aus, sondern mache nur von dessen Möglichkeiten Gebrauch, falls es die Situation erfordere. «Das dient dazu, dass sich die Gäste bei uns wohl fühlen», sagte der CDU-Politiker. In der kommenden Woche wird sich die Innenministerkonferenz in Garmisch-Partenkirchen nochmals konkret mit WM-Sicherheitsfragen beschäftigen.

In der durch den brutalen Überfall auf einen Deutsch-Äthiopier in Potsdam neu entfachten Debatte unterstrich Schäuble die Bedeutung des Fußballsports nicht nur während der WM. «Der Fußball tut jede Menge», so der Minister mit Hinweis auf die Aktionen des Deutschen Fußball- Bundes und der Bundesliga gegen Ausländerfeindlichkeit und für Integration. Auch die «viel gescholtene FIFA» habe mit der Vergrößerung des WM-Starterfeldes auf 32 Länder einen wichtigen Beitrag geliefert. Denn so seien nicht nur die klassischen europäischen und südamerikanischen Fußball-Länder, sondern immer mehr asiatische und afrikanische Teams am Start.