Parreira wälzt Favoritenbürde auf Deutschland ab
Rio de Janeiro (dpa) - 20.04.2006, 16:43 Uhr
Brasiliens Alberto Parreira sieht Deutschland als WM-Favorit.
Der «Psychokrieg» vor der Fußball-WM ist in vollem Gange: der Trainer von Weltmeister und Titelhauptaspirant Brasilien, Carlos Alberto Parreira, hat jetzt die Favoritenbürde ebenso galant wie direkt auf Deutschland abgewälzt. «Ich halte Deutschland für den größten Favoriten», sagte Parreira in einem Interview mit brasilianische Medien. Der Gastgeber der am 9. Juni beginnenden Weltmeisterschaft habe sieben WM-Endspiele erreicht und zudem die Unterstützung der Fans genießen. «Die Deutschen werden über sich hinauswachsen», sagte der 63-jährige Coach, der mit Brasilien bereits 1994 Weltmeister wurde. Man dürfe nicht vergessen, dass Brasilien diesmal «im Haus des Feindes» antreten müsse. Parreira schloss außerdem erstmals nicht aus, dass er nach der WM in Deutschland brasilianischer Nationaltrainer bleiben könne. «Es gibt aber nur eine Möglichkeit, um Nationaltrainer bleiben zu können. Du musst Weltmeister werden. Ich habe nie einen Trainer gesehen, der nach verlorener WM weiter Trainer von Brasilien blieb. Dieses Tabu kann eventuell gebrochen werden. Ich will es aber nicht.»
Die Mitarbeit eines Psychologen im brasilianischen Trainerstab während der WM schloss Parreira aus. «Den Spielern werden wir aber Motivations-Videos vorführen. Bei einer WM reicht Talent allein nicht aus. Wir werden viel Begeisterung benötigen, echten Amateurgeist, betonte der Trainer, der zuletzt nach eigenen Angaben vor allem den österreichischen Philosophen und Ökonomen Peter Drucker liest. «Er ist Papst in Sachen Führung, Verwaltung. Das ist in meiner jetzigen Phase sehr wichtig, passt perfekt in meine Arbeit.» Für die Zeit nach der WM habe er bereits Arbeitsangebote aus der Wirtschaft vorliegen, verriet Parreira. Zudem hätten ausländische Fußball-Vereine und -Verbände Interesse signalisiert.
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