Wangen bereitet sich auf Togoer WM-Gäste vor
Wangen (dpa) - 17.04.2006, 14:16 Uhr
Hotel-Angestellte tragen eine Puppe, die das Nationaltrikot von Togo trägt.
«Zu Gast bei Freunden. Ein herzliches Willkommen den Sperbern von Togo in Wangen im Allgäu», ist auf Französisch auf einem Plakat vor dem «Hotel Waltersbühl» zu lesen. Wochen vor dem Einzug der «Sperber», wie die togoische Fußball-Nationalmannschaft in ihrer westafrikanischen Heimat genannt wird, laufen die Vorbereitungen in dem Hotel am Stadtrand von Wangen (Baden- Württemberg) sichtlich auf Hochtouren. «Wir hatten den UEFA-Regionen-Cup schon hier, wir hatten den HSV schon da und die deutsche Frauen-Nationalmannschaft - aber die WM ist doch noch mal eine andere Welt», sagt Hoteldirektor Dieter Kieniniger. «Zum allergrößten Teil in Einzelzimmern» werde die 45-köpfige Delegation aus Spielern und Betreuern aus Westafrika in dem Drei-Stern-Superior-Hotel untergebracht, das seit 1954 auch Fußballakademie ist.
Sonderwünsche habe die Mannschaft nicht geäußert, und auch das Essen stelle «mit Sicherheit kein Problem dar, weil fast die ganze Mannschaft schon in Europa spielt». Dennoch werde versucht, den Spielern auch gewohnte Speisen zu servieren - was vor allem eine logistische Anstrengung ist. «Papageifisch zum Beispiel wird direkt aus Togo angeliefert: auf Eis und im Flugzeug. Das ist eine Riesen-Herausforderung - auch für die Lieferanten.» Während die Küche mit Hilfe eines in Nürnberg lebenden Togoers die Zubereitung der exotischen Gerichte probt, heißt es für die Mitarbeiter im Service vor allem eines: Französisch pauken. «Für alle Mitarbeiter gibt es seit Dezember Crash-Kurse, damit sie sich mit den Gästen in ihrer Landessprache unterhalten und Bestellungen aufnehmen können», erzählt Kieninger. |
Auch sonst wurde in der 27 000-Einwohner-Stadt keine Mühe gescheut, um die westafrikanische Mannschaft dazu zu bringen, ihre Zelte gerade hier aufzuschlagen. «Ich habe mir extra einen Anzug in den Landesfarben machen lassen, um die Einladung nach Wangen offiziell zu überbringen», berichtet Oberbürgermeister Michael Lang. In der grün-gelb gestreiften Maßanfertigung mit roten Bündchen, Stadt- und Landeswappen und einem riesigen «Wangen»-Schriftzug auf der Brust habe er sich bei seinem Besuch in Togos Hauptstadt Lomé zwar «nicht so richtig wohl gefühlt», gibt er zu. «Aber in Togo wurde das als nette Geste verstanden.» «Die WM ist das größte Sportereignis, das Deutschland jemals hatte, und wir sind dabei», sagt Lang und wirkt noch immer ungläubig über den «großen Coup, der uns gelungen ist». Bei den Wangenern selbst gebe es aber «durchaus noch ein Info-Bedürfnis». In den Schulen stehe Togo deshalb jetzt auf dem Lehrplan, ein Vortrag von Honorarkonsul Joseph Kastenbauer soll auch Erwachsenen Land und Leute näher bringen. Vor dem eigentlichen Anpfiff kicken Schüler-Mannschaften in Original-Trikots das Turnier schon mal symbolisch durch. Im Mai soll eine «afrikanische Nacht» das Flair Togos ins Allgäu holen. Denn Togo ist als Mannschaft nicht zu unterschätzen, da sind sich alle einig: «50 zu 50», bewertet der Vorsitzende des DFB-Spielausschusses, Hermann Selbherr, Togos Chancen ins Achtelfinale zu kommen. Hotelchef Kieninger hält die «Sperber» für «motiviert bis unter die Zähne», der Oberbürgermeister spricht von «attraktiven Außenseitern». Und nicht zuletzt habe die Mannschaft mit ihrem Quartier in Wangen einen unschätzbaren Vorteil: «Wir haben die beste Luft Deutschlands. Das wird der Mannschaft helfen bei der Vorbereitung auf eine erfolgreiche WM.»
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