USA: Wer nicht träumt, der nicht gewinnt
Los Angeles (dpa) - 14.04.2006, 13:14 Uhr
US-Keeper Kasey Keller packt im Testspiel im März gegen Deutschland zu.
Träumen ist Pflicht. Zumindest wenn US-Nationaltrainer Bruce Arena zu Lehrgängen einlädt. «Nur wer ans Unmögliche glaubt, kann es auch schaffen», philosophiert Arena vor der fünften WM-Teilnahme in Folge. Hollywood lässt grüßen. Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten träumt vom «Miracle in Germany» (Los Angeles Times), und selbst der neue Präsident des US-Verbandes, Sunil Gulati, prophezeit «positive Begegnungen, Schwingungen und Auswirkungen» und scheint sich in der Rolle als Traumdeuter pudelwohl zu fühlen: «Zahlen lügen nicht.» Fußball, Verzeihung Soccer, stehe vor einem Boom. 18 Millionen Menschen können sich nicht irren. So viele aktive Fußballspieler gibt es inzwischen in den USA. Tendenz steigend. Die Profiliga Major League Soccer (MLS) begann Anfang April ihre elfte Saison, und sogar das im internationalen Profisport äußerst umtriebige Salzburger Getränkeunternehmen Red Bull hat sich inzwischen in die MLS eingekauft. Wenn da nur nicht diese historischen Fan-Umfragen nach den beliebtesten Sportarten wären, in denen selbst die Profi-Bowling-Tour der Frauen in der Popularitätsskala besser abschneidet als die schönste Nebensache der Welt.
«Warum sollen wir eigentlich nicht Weltmeister werden», fragte ausgerechnet Freddy Adu. Zum Wunderkind hoch gelobt, hat der 16 Jahre alte Einwanderer aus Ghana in der MLS längst seine Platz-Reife bewiesen und wird nun als großer Hoffnungsträger einer goldenen Zukunft angepriesen. Dabei ist der Hochbegabte aus Afrika der beste Beweis für das ständige Hin und Her im US-Fußball zwischen Ambition und Sorge, zwischen ewiger Verheißung und trügerischer Hoffnung. Fußball für Fortgeschrittene oder doch kaum mehr als ein Fußball-Entwicklungsland? «Wir stehen in der Weltrangliste auf Position fünf, und wir stehen zurecht dort. Wer uns immer noch unterschätzt, wird von uns bestraft», sagt Ex-Bayer-Profi Landon Donovan (Los Angeles Galaxy) fast trotzig, und auch er stellt die Frage in den Raum: «Warum sollen wir eigentlich nicht Weltmeister werden?» Deutlich verbesserte Strukturen im Verband, 47 Tage Trainingslager am Stück, ein hochmodernes Trainingszentrum im wetterfesten Kalifornien und Fußball-Kenner Sunil Gulati als neuer starker Mann im Verband sorgen für Aufbruchstimmung und sollen den Betriebsausflug nach «Deutschländ» zur unvergesslichen Dienstreise machen. |