Ecuadors Fußballverband durch Skandal angeschlagen
Quito (dpa) - 08.04.2006, 13:06 Uhr
Vinicio Luna (r) steht mit Personal des Teams von Ecuador in Quito beisammen.
Wenige Wochen vor Beginn der Weltmeisterschaft versinkt Ecuadors Fußballverband immer tiefer in der Krise um Teamkoordinator Vinicio Luna. Die Ermittlungen der Justiz im Zusammenhang mit dem Vorwurf des Menschenhandels gegen den Ex-Militär haben bereits sieben Fälle illegaler Visa-Anträge beim US-Konsulat ans Licht gebracht. Nun ist auch der Mannschaftsarzt von Deutschlands Vorrundengegner in Verdacht geraten. Der nationale Fußballverband FEF steht mit dem Rücken zur Wand. Ihm werden undurchsichtige Finanzpraktiken und mangelnder Aufklärungswillen vorgeworfen. Luna soll versucht haben, normale Bürger gegen üppige Bezahlung als angebliche Spieler oder Sportfunktionäre getarnt in die USA einzuschleusen. Noch ist nicht klar, wann diese Machenschaften begonnen haben. Die Aussagen von zwei Ecuadorianern aus der Amazonasregion, die ihre illegalen Visa als angebliche Spieler der Nationalmannschaft bereits im Februar erhielten, lieferten der Staatsanwaltschaft weitere Namen von Beteiligten, die bei der Vergabe behilflich waren. Dies berichteten örtliche Medien. Darunter soll sich auch der Arzt der «Selección», Patricio Maldonado, befinden.
Um mit dem Visum der Nationalmannschaft die Einreise in die USA zu erreichen, habe jeder der sieben Ecuadorianer umgerechnet 5800 Euro gezahlt. Diese Beträge, die sich die Männer leihen mussten, fordern sie jetzt von Luna zurück. Dessen Anwalt beteuert jedoch weiterhin die Unschuld seines Mandanten. Der Skandal um die USA-Visa hat in Ecuador mittlerweile eine breite Debatte um die Praktiken der FEF ausgelöst. Der Verband gab bereits zu, Journalisten bei Auslandsreisen bevorzugt zu haben. Auch bei der Ticketvergabe und gesponserten Reisen für Funktionäre soll es Unregelmäßigkeiten gegeben haben. |