dpa: Welche Schlussfolgerungen ziehen Sie daraus? Klinsmann: «Man lernt die Leute kennen, mit denen man die nächsten zwei, drei Monate arbeiten muss oder auch nicht. Die Mannschaft hat einfach einen unglaublich guten Teamgeist gezeigt, Charakter gezeigt und reagiert: Was jetzt auf uns eingeprasselt ist, das lassen wir uns nicht bieten. Die Truppe war bis in die Haarspitzen motiviert. Das hat Spaß gemacht, weil eine Identifikation da ist im gesamten Kreis Nationalmannschaft. Diese Identifikation untereinander und für unser Land, die kann uns keiner nehmen.» dpa: Im öffentlichen Mittelpunkt hatte auch Bastian Schweinsteiger gestanden. Wie sind Sie mit ihm umgegangen? Klinsmann: «Die Gruppe hat sich sehr um Basti Schweinsteiger gekümmert. Was auf ihn eingeprasselt ist, ist auch jenseits von Gut und Böse. Wir haben unglaublich viel Talente in dem Land, nicht nur die, die heute gespielt haben. Nur müssen wir aufpassen, uns die eigenen Talente nicht kaputt zu machen. Wenn es so weiter gegangen wäre - jetzt wird es nicht der Fall sein durch das Resultat - hätten wir die Weltmesiterschaft riskiert nur durch puren Pessimismus und die negative Aggressivität, die von gewissen Leuten gekommen ist. Das kann keine Mannschaft verkraften, die viele 20- und 21-Jährige hat.» dpa: Wie sind Sie persönlich mit Ihrer Situation umgegangen? Klinsmann: «Natürlich war das nicht angenehm, was sich die letzten Wochen abgespielt hat. Aber Kritik ist ein Teil des Jobs. Ich habe ein sehr stabiles Umfeld, eine wundervolle Familie in Kalifornien, die mir sehr viel Energie gibt und bei der ich immer wieder auftanken werde. Und ich habe viel Spaß an der Arbeit mit den Jungs und dem Stab an Leuten, weil wir uns identifizieren mit der Aufgabe. Das ist etwas ganz Besonderes, diese Mannschaft zur WM führen zu dürfen. Das erfüllt mich mit viel Stolz und Ehre.» dpa: Wie kommentieren Sie den Spielverlauf beim 4:1 gegen die USA? Klinsmann: «Nachdem wir die Tore in der ersten Halbzeit nicht machen konnten, haben wir in der Pause gesagt, wir müssen die Dinge einfach herbeizwingen. Dass es dann gleich geklappt hat mit dem Tor von Bastian Schweinsteiger, war natürlich angenehm. Wir haben von 4- 3-3 zur Halbzeit auf ein 4-4-2 gewechselt, weil wir vorne von den Amerikanern nicht die Räume bekommen haben. Das haben wir erkannt. Sicher ein schönes Resultat für uns, und vor allem, wie die Tore dann entstanden sind, das hat Spaß gemacht.» dpa: Wie ordnen Sie dieses 4:1 nun ein? Klinsmann: «Wir wissen, dass dieses 4:1 kein Grund ist für Euphorie. Es ist einfach ein Stück Selbstvertrauen, das viele jetzt in ihre Clubs mitnehmen. Dann wissen wir, dass wir viel Arbeit haben in der WM-Vorbereitung. Wir können es gut einschätzen, ob es eine 1:4-Niederlage ist oder ein 4:1-Sieg. Wir haben immer die Balance gehalten.»
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