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Spanien reist mit Selbstzweifeln zur WM

Madrid (dpa) - 21.03.2006, 12:36 Uhr

Spaniens Coach Luis Aragones (r) im Gespräch mit seinem Kapitän Raul.
Spaniens Coach Luis Aragones (r) im Gespräch mit seinem Kapitän Raul.

«Es gibt Leute, die meinen, beim Fußball gehe es um Leben und Tod. Aber ich kann versichern, dass der Fußball noch viel ernster ist.» Diese Weisheit der Liverpooler Trainer-Legende Bill Shankly hat sich Luis Aragonés zu Eigen gemacht.

Der 67-Jährige ist ein Fußball-Verrückter, der - wie er selbst einräumt - ohne den Sport nicht leben kann. Er saß in 757 Punktspielen der Primera División und in insgesamt über 1000 Pflichtspielen auf der Trainerbank. Damit ist er der erfahrendste Coach in Spanien und war nach dem Ausscheiden bei der Europameisterschaft 2004 erster Kandidat für den frei gewordenen Posten als Nationaltrainer.

In Spaniens Fußballwelt herrschte Einvernehmen darüber, dass der Verband keine bessere Wahl hätte treffen können. Der «Weise von Hortaleza», wie der Trainer nach seinem heimischen Madrider Stadtbezirk genannt wird, erfüllte die Erwartungen, allerdings nicht mit der erhofften Bravour. Unter Aragonés blieb die Selección in 30 Spielen ohne Niederlage, aber sie offenbarte auch Schwächen.

Die Spanier waren bei den vorigen Weltmeisterschaften fast immer zu den Favoriten gezählt worden, mussten aber spätestens im Viertelfinale die Segel streichen. Das beste Resultat war ein vierter Platz bei der WM 1950 in Brasilien. Bei der WM in Deutschland tritt Spanien ohne direkte Titelambitionen an. Das Team hatte sich in der Qualifikation mit vermeintlich leichten Gegnern wie Litauen oder Bosnien-Herzegowina schwer getan und die WM-Teilnahme nur über den Umweg der Relegation geschafft.

Spanien wird in Deutschland mit einer Elf antreten, in der gute Fußballer, aber keine Stars oder Ausnahmetalente stehen werden. Kapitän Raúl, einst als «Wunderkind» gefeiert, wirkt seit Jahren ausgelaugt. Spielmacher Xavi muss wegen eines Kreuzbandrisses um seine WM-Teilnahme bangen. «Wir sind nicht schlechter als Frankreich, Italien, Argentinien oder England», meint Aragonés. «Auch von Brasilien sind wir keine Lichtjahre entfernt.»


Die Selección kommt immer dann in Schwierigkeiten, wenn sie auf Gegner mit gut gestaffelter Abwehr und aggressivem Forechecking trifft. Dann fehlt es den Spaniern an Kraft und Durchsetzungsvermögen. Gegen Serbien, Bosnien und Litauen erzielten sie in keinem Spiel mehr als ein Tor.

Spaniens Nationalelf leidet seit jeher darunter, dass es ihr an Rückhalt in der Bevölkerung fehlt. Sie steht im Schatten der großen Vereinsmannschaften von Real Madrid oder dem FC Barcelona. Länderspiele werden von vielen Fans als störende Unterbrechung des Ligabetriebs empfunden. Um Zuschauer anzulocken, muss die Selección häufig in Stadien in der Provinz antreten. In Katalonien oder im Baskenland lässt sie sich praktisch überhaupt nicht blicken. Dort hat ein Teil der Fans wenig für Spanien übrig und sähe es lieber, wenn Katalanen und Basken ihre eigenen Nationalteams aufstellen könnten.

Hinzu kommt, dass der spanische Fußballverband (RFEF) in einem ziemlich schlechten Ruf steht. Er musste sich vorwerfen lassen, rassistische Zwischenfälle in spanischen Stadien nicht energisch unterbunden zu haben. Zudem stehen Verbandsführer im Verdacht, Gelder veruntreut zu haben. Die Regierung strich dem RFEF die Subventionen. Die Justiz ermittelt gegen den Verbandspräsidenten Angel María Villar. In der Presse wird der RFEF auch für das schlechte Niveau der spanischen Schiedsrichter verantwortlich gemacht, denn die Unparteiischen sind dem Verband unterstellt.

Allerdings hat auch die wenig geliebte Selección ihre Anhänger. Einer davon ist Manuel Cáceres, der unter seinem Künstlernamen «Manolo el del Bombo» (Manolo mit der Pauke) zum berühmtesten Fußballfan der Welt aufstieg. Mit seinen Markenzeichen - einer Baskenmütze und einer großen Pauke - sorgt er bei Spielen der Nationalelf (und des FC Valencia) für Stimmung. Der 57-Jährige ist mittlerweile selbst zu einer Legende geworden. Über einen Fan-Shop, der Manolos Gaststätte neben dem Mestalla-Stadion in Valencia angegliedert ist, vertreibt er Autogrammkarten, Fanmützen und eine Biografie.

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