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Deutsche Bauwirtschaft bei WM nicht im «Abseits»

Köln/Berlin (dpa) - 13.03.2006, 12:37 Uhr

Die Investitionen für die WM-Arenen - hier in Köln - halfen der Baubranche.
Die Investitionen für die WM-Arenen - hier in Köln - halfen der Baubranche.

Die seit Jahrzehnten gebeutelte deutsche Bauwirtschaft steht bei der Fußball-Weltmeisterschaft keineswegs im «Abseits».

Imposante Stadienaus- und Neubauten in den 12 WM-Städten mit entsprechenden Investitionen hat der Branche eine «kleine Atempause» im rückläufigen Geschäft verschafft. «Es handelt sich bei den Baumaßnahmen um ein erhebliches Volumen. Nur hat es nicht ausgereicht, den Niedergang der Branche zu stoppen», sagte Heiko Stiepelmann, Vize-Geschäftsführer des Hauptverbands der deutschen Bauindustrie.

Seit zehn Jahren hält nach den Worten Stiepelmanns die Rezession der Bauwirtschaft in Deutschland an. «1999 waren in der Spitze des Baubooms im Osten noch 1,4 Millionen Menschen in dem Bereich beschäftigt. 2004 hatte sich die Zahl auf 720 000 Menschen halbiert», sagt Stiepelmann. Die Umsätze seien seit 1995 um rund 40 Prozent auf 75 Milliarden Euro 2005 geschrumpft. Ohne die Investitionen zur Fußball-WM wäre der Abschwung noch dramatischer gewesen, meint Stiepelmann. «Der Konjunkturtrend wurde zwar nicht gebrochen, aber die WM hat uns eine kleine Verschnaufpause gebracht.»

Nach Berechnungen des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) haben die Bauaktivitäten ein Volumen von rund sechs Milliarden Euro. «Das sind Leistungen wie Stadienneu- und -ausbauten, etwa in München, Gelsenkirchen oder Köln. Hinzu kommen Arbeiten zur Verbesserung der Infrastruktur in deutschen WM-Städten», sagt Michael Grömling, zuständig für den Bereich Konjunktur sowie Bauwirtschaft bei dem arbeitgebernahen Institut. Diese Summe ist nach den Worten des Experten allerdings schon lange vor dem ersten Anpfiff geflossen. «Die heiße Phase für die Bauwirtschaft durch die Fußball-WM hat schon im Jahr 2000 begonnen», unterstreicht Grömling.

Wie Stiepelmann ist auch Grömling der Meinung, dass die kommende WM die Krise der vergangenen zehn Jahre gedämpft hat. «Die Einbrüche wären um vieles stärker gewesen, wenn die WM-Investitionen nicht getätigt worden wären», sagt Grömling. Von den etwa sechs Milliarden Euro haben demnach private Investoren - etwa Vereine - rund ein Drittel gezahlt. «Der Bund hat grob geschätzt rund zwei Drittel der Summe aufgebracht», erläutert der IW-Experte.

Wenn im Sommer der Ball in den Stadien rollt, die Ballkünstler ihre Tricks zeigen und die Welt dabei zuschaut, wird es für die Bauwirtschaft keine «Impulse mehr geben», meint der IW-Experte. «Die sind größtenteils abgearbeitet. Zur laufenden Fußballweltmeisterschaft wird es dann Effekte für die Volkswirtschaft im Konsumbereich geben, etwa beim Hotel- und Gaststättengewerbe.»


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