Nur «Gaucho» Messi glänzt - Kroatien: Risiko zählt
Basel (dpa) - 02.03.2006, 12:35 Uhr
Ivan Klasnic (vorne) erzielte Kroatiens Führungstor gegen Argentinien.
«Fußball-Rohdiamant» Lionel Messi glänzte, doch Titelkandidat Argentinien bot sonst wenig Brillantes. Zum zweiten Mal binnen kurzer Zeit verloren die «Gauchos» mit dem 2:3 in Basel gegen WM-Teilnehmer Kroatien ein Spiel in der Schlussminute. «Die Niederlage ist schlecht für uns. Das darf nicht passieren», sagte Trainer José Pekerman: «Ich sehe aber positiv in die Zukunft.» In der Mannschaft, die zumindest furios begonnen hatte, stecke genug Potenzial, um am 10. Juni mit einem Sieg gegen die Elfenbeinküste in das WM-Turnier zu starten. Ob Bayerns Martin Demichelis, der als Abfangjäger vor der Abwehr überzeugend agierte, Regisseur Juan Roman Riquelme (FC Villarreal) oder Stürmerstar Hernan Crespo vom englischen Meister FC Chelsea: Das Ergebnis wollte niemand schön reden, nachdem die Argentinier im November ebenfalls mit 2:3 gegen England in Genf verloren hatten. Damals sorgte Michael Owen mit seinem Doppelpack in den letzten drei Spielminuten für die Entscheidung. Diesmal war es Dario Simic (AC Mailand), der in den Schlusssekunden traf.
«Nur ein Zufall, die beiden Partien kann man nicht vergleichen», befand Pekerman, der nach der frühen Führung der Kroaten durch Bremens Ivan Klasnic (3.) die Gala-Auftritte seines Jungstars Messi vom FC Barcelona hatte bewundern können. Der leichtfüßige 18-Jährige legte erst für den kraftvollen Carlos Tevez (4./Corinthians Sao Paolo) maßgerecht auf, ehe er mit einem sehenswerten Effetschuss zwei Minuten später das 2:1 folgen ließ. «Messis Show», titelte die «Basler Zeitung». Die argentinischen Fans hatten auf einem Spruchband bereits postuliert: «Messi ist der legitime Nachfolger Maradonnas.» Die außergewöhnliche fußballerische Kunst des Hoffnungsträgers, der beim WM-Titelgewinn von Argentiniens U 20 im vergangen Jahr ein überragendes Turnier gespielt hatte, konnte die Schwächen der mit Stars aus den europäischen Top-Ligen gespickten Mannschaft aber nicht übertünchen. «Wir müssen uns noch finden», meinte Crespo, der den muskelverletzten Juan Pablo Sorin als Kapitän des zweimaligen Weltmeisters vertrat. Auf der Suche nach seiner Form ist vor allem der 33 Jahre alte Keeper Roberto Abbondanzieri - der einzige in der Heimat (Boca Juniors) unter Vertrag stehende Spieler. «Ich weiß, dass er es besser kann», kommentierte der für seine bedachte Wortwahl bekannte Pekerman. Zu überschwänglichen Ankündigungen ließ sich aber auch sein kroatischer Kollege trotz des Sieges gegen einen der «absoluten Top-Favoriten» auf den WM-Titel nicht hinreißen. «Wir werden auf dem Boden bleiben», sagte Zlatko Kranjcar. Gleichwohl gebe der Erfolg weiteres Selbstvertrauen, sagte er und vertraute auch den in Basel zahlreich anwesenden japanischen Journalisten - das «Land der aufgehenden Sonne» ist neben Brasilien und Australien kroatischer Gegner in der Gruppe F - zumindest ein kleines Geheimnis an: «Wer nicht auf Risiko spielt, kann nicht das richtige Resultat erzielen. Und wir haben nun mal die Spieler, um auf Risiko zu spielen.»
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