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Niederlage für DFB-Elf: 1:4 im Härtest in Italien

Florenz (dpa) - 01.03.2006, 23:10 Uhr

Michael Ballack (m) kämpft gegen den Italiener Alessandro Nesta (r) um den Ball.
Michael Ballack (m) kämpft gegen den Italiener Alessandro Nesta (r) um den Ball.

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat einen klassischen Fehlstart ins WM-Jahr hingelegt. 100 Tage vor dem Eröffnungsspiel verlor die Mannschaft von Bundestrainer Jürgen Klinsmann in Florenz gegen Italien mit 1:4 (0:3).

Nach der desaströsen Niederlage der DFB-Mannschaft beim Titel-Mitfavoriten Italien geht es für den Bundestrainer in den kommmenden Wochen jetzt vorallem um Schadensbegrenzung, um eine ähnliche Blamage bei der Heim-WM in gut drei Monaten zu verhindern.

Vor 40 000 Zuschauern in Florenz war der Vize-Weltmeister beim ersten Auftritt im WM-Jahr in jeder Hinsicht überfordert. Daran konnte auch der späte Ehrentreffer durch Robert Huth (82. Minute) nichts ändern. Das «System Klinsmann» wurde bei der höchsten Niederlage unter dem Bundestrainer von einem Team der Klasse Italiens als naiv und ungeeignet enttarnt.

Schon nach sieben Minuten waren alle Hoffnungen darauf, im 17. Versuch und nach mehr als fünf Jahren wieder einen Großen des Welt-Fußballs zu schlagen über den Haufen geworfen. Sowohl beim 0:1 durch Alberto Gilardino (4. Minute) als auch beim 0:2 von Lokalmatador Luca Toni (7.) fand die junge, überforderte deutsche Abwehr keinerlei Mittel, das Ungemach zu verhindern. Bei der frühen Führung der Gastgeber hatte Torwart Jens Lehmann, der trotz einer starken Leistung die Blamage nicht verhindern konnte, einen Kopfball von Fabio Cannavaro noch abgewährt.

Mit dem kopflosen Bestreben den Fehlstart wieder wett zu machen produzierten die deutschen Mittelfeldspieler katastrophale Fehlpässe gleich in Serie, die von den Azzurri immer wieder zu schnellen und gefährliche Gegenstößen genutzt wurden. So ging dem 0:2 ein verheerender Ballverlust von Sebastian Deisler voraus. Beim 0:3 durch Daniele de Rossi (39.) war der Münchner Phillip Lahm bei seinem Comeback nach 14 Monaten im Kopfball-Duell gegen Mauro Camoranesi deutlich unterlegen und Robert Huth kam gegen den Torschützen viel zu spät.


Klinsmann reagierte nicht auf die fehlende Abstimmung und das Durcheinander in seinem System. Erst als schon alles zu spät war, zog er Kapitän Michael Ballack, der ebenfalls keinerlei Akzente setzen konnte, auf eine defensivere Position im Mittelfeld zurück. Mit ihren eigenen hilflosen Angriffsbemühungen waren die erstmals im roten WM- Trikot, dass laut Klinsmann als Zeichen für Aggressivität und Leidenschaft stehen sollte, angetretenen DFB-Auswahl ins Verderben gerannt. Die einzige nennenswerte Aktion war ein Schuss des sonst total enttäuschenden Deisler (23.), den Italiens Torwart Gianluigi Buffon klasse parierte.

Eine schlimmere erste Halbzeit einer deutschen Nationalmannschaft hatte es in jüngerer Vergangenheit nur beim 1:5 in Rumänien im April 2004 gegeben, als es zum Seitenwechsel schon 0:4 stand und das mit dem späteren vorzeitigen EM-Aus besiegelte Ende der Ära Rudi Völler eingeleitet wurde.

Zur Halbzeit brachte Klinsmann mit Christoph Metzelder für den auch mit untergegangenen Abwehrchef Per Mertesacker und Gerald Asamoah für den völlig indisponierten Angreifer Lukas Podolski zwei neue Kräfte, an den grundlegenden Problemen änderte sich aber nichts. Eine Chance für Bernd Schneider (56.) blieb die Ausnahme. Im Gegenzug reichte wieder eine zielstrebige Aktion der Italiener, um die Niederlage noch schmerzhafter zu machen. Camoranesi leistete die Vorarbeit und Juve-Star Alessandro del Pierio (57.), der für den verletzten Franceso Totti spielte, köpfte vor Huth und Metzelder zum 4:0 ein.

Bezeichnenderweise kam Buffon zunächst nur bei einer Aktion eines eigenen Spielers in ärgste Bedrängnis, doch der Routinier ließ sich auch von Tonis unfreiwilligen Kopfball in Richtung eigenes Tor nicht bezwingen. Chancenlos war der Juve-Schlussmann dann bei Huths Treffer aus kurzer Distanz nach Ecke von Deisler. Der zweite Länderspiel-Treffer des Verteidigers vom FC Chelsea konnte an der miserablen Gesamtleistung aber nichts mehr beschönigen.

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