Klinsmann reagierte nicht auf die fehlende Abstimmung und das Durcheinander in seinem System. Erst als schon alles zu spät war, zog er Kapitän Michael Ballack, der ebenfalls keinerlei Akzente setzen konnte, auf eine defensivere Position im Mittelfeld zurück. Mit ihren eigenen hilflosen Angriffsbemühungen waren die erstmals im roten WM- Trikot, dass laut Klinsmann als Zeichen für Aggressivität und Leidenschaft stehen sollte, angetretenen DFB-Auswahl ins Verderben gerannt. Die einzige nennenswerte Aktion war ein Schuss des sonst total enttäuschenden Deisler (23.), den Italiens Torwart Gianluigi Buffon klasse parierte. Eine schlimmere erste Halbzeit einer deutschen Nationalmannschaft hatte es in jüngerer Vergangenheit nur beim 1:5 in Rumänien im April 2004 gegeben, als es zum Seitenwechsel schon 0:4 stand und das mit dem späteren vorzeitigen EM-Aus besiegelte Ende der Ära Rudi Völler eingeleitet wurde. Zur Halbzeit brachte Klinsmann mit Christoph Metzelder für den auch mit untergegangenen Abwehrchef Per Mertesacker und Gerald Asamoah für den völlig indisponierten Angreifer Lukas Podolski zwei neue Kräfte, an den grundlegenden Problemen änderte sich aber nichts. Eine Chance für Bernd Schneider (56.) blieb die Ausnahme. Im Gegenzug reichte wieder eine zielstrebige Aktion der Italiener, um die Niederlage noch schmerzhafter zu machen. Camoranesi leistete die Vorarbeit und Juve-Star Alessandro del Pierio (57.), der für den verletzten Franceso Totti spielte, köpfte vor Huth und Metzelder zum 4:0 ein. Bezeichnenderweise kam Buffon zunächst nur bei einer Aktion eines eigenen Spielers in ärgste Bedrängnis, doch der Routinier ließ sich auch von Tonis unfreiwilligen Kopfball in Richtung eigenes Tor nicht bezwingen. Chancenlos war der Juve-Schlussmann dann bei Huths Treffer aus kurzer Distanz nach Ecke von Deisler. Der zweite Länderspiel-Treffer des Verteidigers vom FC Chelsea konnte an der miserablen Gesamtleistung aber nichts mehr beschönigen.
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