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Der WM-Endspurt der letzten 100 Tage beginnt

Hamburg (dpa) - 27.02.2006, 13:22 Uhr

Der «Fußball-Globus» dreht sich vor dem Brandenburger Tor in Berlin.
Der «Fußball-Globus» dreht sich vor dem Brandenburger Tor in Berlin.
 
 

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Vorhang zu und Bühne frei - der Zirkus Olympia hat seine Vorstellung in Turin beendet, nun richten sich die Scheinwerfer immer mehr auf das Spektakel Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland.

Am 1. März sind es noch 100 Tagen bis zur WM-Ouvertüre am 9. Juni in München. Dann muss die deutsche Mannschaft im Eröffnungsspiel gegen Costa Rica Farbe bekennen. Mit welchen Erwartungen das Gastgeberland in diese Endspurt-Zeit geht, kann das Team von Bundestrainer Jürgen Klinsmann beim Länderspiel in Florenz gegen Italien selbst mit beeinflussen. Gegenwärtig steht das deutsche Stimmungsbarometer insgesamt eher auf veränderlich.

Es pendelt zwischen wirtschaftlichen Aufschwungs-Hoffnungen und Vogelgrippe-Angst. Die heftigen Auseinandersetzungen um Stadion- Sicherheit, Bundeswehr-Einsatz, Eintrittskarten-Verteilung und Absage der WM-Gala in Berlin haben für ein Zwischentief gesorgt. Theo Zwanziger setzt nun auf die Wirkungen einer großen Koalition rund um die WM in Form eines «Verantwortungsbündnisses für unser Land». Der Geschäftsführende Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und Vizepräsident des WM-Organisationskomitees (OK) sieht «einen Grundkonsens in allen gesellschaftlichen Gruppen, die WM zu einem großen Erfolg zu machen».

 

Das OK meldet 100 Tage vor dem WM-Start durch seinen ersten Vizepräsidenten Horst R. Schmidt für alle seine Bereiche: «Wir sind voll im Plan.» Mit Kaiserslautern ist Ende diesen Monats auch der Nachzügler der für 1,5 Milliarden Euro gebauten oder umgebauten 12 WM-Stadien fertig gestellt. Die letzten Justierungen beginnen unmittelbar nach Bundesliga-Schluss am 13. Mai, dann wird in den Arenen auch der WM-Rasen ausgerollt. Der OK-Etat steht unverändert bei 430 Millionen Euro Einnahmen und Ausgaben. 2,6 der gut drei Millionen Eintrittskarten sind mühsam und unter Konflikten an den Mann gebracht. Das Ziel, 95 Prozent der Tickets zu verkaufen, um die im Budget vorgesehenen 200 Millionen Euro einzunehmen, ist «erreichbar» (Schmidt).

14 000 Sicherheitskräfte sind angeheuert, die selbe Zahl an Freiwilligen ausgewählt. Sie müssen in der Zeit bis zur WM noch ausgebildet und trainiert werden. Das OK ist für die Sicherheit in den Stadien zuständig und für den Schutz der Trainigstätten, der Team-Quartiere und die übrigen Objekte von OK und Weltverband FIFA. Im Schnitt kommen jeweils 1000 Kräfte pro Stadion und Spiel zum Einsatz. Während Bund, Länder und Kommunen mit der Angabe von Sicherheitskosten äußerst zurückhaltend sind, gibt das OK seine Ausgaben mit 25 Millionen Euro an.


Im Plan sind nach Angaben von Schmidt auch die Infrastrukturmaßnahmen des Staates für den öffentlichen und individuellen Verkehr. Allein der Bund hat rund 500 Millionen Euro in Straßenprojekte gesteckt, die zu einer besseren Erreichbarkeit der WM-Städte und -Stadien führen sollen. Die Deutsche Bahn AG hat die Hauptbahnhöfe in Leipzig, Nürnberg, Köln, Hannover und Berlin (Ostbahnhof) modernisiert. Bis WM-Beginn sollen die Hauptbahnhöfe Frankfurt und Kaiserslautern umgebaut und der Hauptbahnhof Berlin in Betrieb genommen sein.

Zwanziger und Schmidt wissen: Das OK mit seinen 260 hauptamtlichen Angestellten kann sich noch so sehr anstrengen, den Eindruck der WM prägen werden vor allem die 12 WM-Städte. Dort werden die meisten Kamaras stehen, um für vorausgesagte 30 Milliarden TV-Zuschauer in aller Welt die Bilder zu liefern. Für seine Außenstellen in den 12 Städten hat das OK noch einmal 380 zumeist temporäre Kräfte verpflichtet. Ihre Aufgabe ist es, die 64 WM-Spiele im Zusammenwirken mit den Kommunen klaglos über die Bühne zu bringen. Für einen freundlichen Empfang der bis zu einer Million erwarteten Gäste allein aus dem Ausland, ihre Beherbergung, Unterhaltung und Sicherheit sind dann vor allem die Städte zuständig.

Schmidt sieht in der nunmehr stark dezentralisierten Organisation eine große Chance. «Die Städte entwickeln eigene Formate. Das sorgt für Vielfalt und auch Wettbewerb. Das Publikum wird ganz tolle Angebote vorfinden.» Die nicht zuletzt auf den so genannten Party- Meilen. Diese offiziellen Feierplätze als Parallel-Arenen zu den WM- Stadien sind die Weichteile des Sicherheitskonzepts. Den Kommunen werden Umzäunungen und Kamera-Überwachung dringend empfohlen.

Der 16. Mai markiert eines der wichtigsten Daten der kommenden 100 Tage. Von diesem Zeitpunkt an operiert in Berlin das «Nationale Informations- und Kooperationszentrum (NICC)» als zentrale Sicherheitseinrichtung unter der Regie des Bundesinnenministeriums. Seine Hauptaufgabe wird die Erstellung eines täglichen «Nationalen Lagebildes WM 2006» sein. Im NICC wird zusammen laufen, was Awacs- Flugzeuge aus der Luft festhalten, in- und ausländische Sicherheitsbehörden ermitteln oder die Polizei von Bund und Ländern berichtet. «Die eigentliche Nagelprobe kommt noch», sagt Zwanziger und meint damit längst nicht nur Fußball.

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