Vorstoß gegen Sex-Käufer bei WM heizt Debatte an
Brüssel/Stockholm (dpa) - 22.02.2006, 16:40 Uhr
Rund um die Hamburger Reeperbahn bieten Prostituierte offen ihre Dienste an.
Kein käuflicher Sex am Rande der Fußball-Weltmeisterschaft? Für Bayerns Innenminister Günther Beckstein ist diese Vorstellung absurd: «Das kann nicht verhindert werden», erklärte der CSU-Politiker beim Treffen der EU-Innenminister in Brüssel. Aber der schwedische Justizminister Thomas Bodström schlug im Ministerrat genau dies vor. «Das wäre eine gute Idee, um den Menschenhandel zu bekämpfen», riet der Minister und frühere Erstliga-Fußballer den Verantwortlichen in Deutschland. Mit Bodströms Vorstoß, wie in Schweden die Nachfrage nach käuflichem Sex zu verbieten, bekommt das europäische Vorgehen gegen den internationalen Menschenhandel einen neuen Impuls. Die Idee steckt bereits in einem Strategiepapier, das die EU-Kommission im Oktober für einen späteren Aktionsplan vorlegte: Die EU und ihre Mitgliedstaaten sollten «die Beseitigung jeglicher Form von Ausbeutung, einschließlich der sexuellen Ausbeutung (...), sowie der Nachfrage danach» anstreben, heißt es in der Kommissionsvorlage.
Bei Experten trifft dies auf Zustimmung. «So lange man nichts tut, um die Nachfrage zu bekämpfen, wird man des Problems nicht Herr», meint der Migrationsfachmann von Caritas Europa, Peter Verhaeghe. Anders gesagt: Wo kein Freier für junge Frauen aus Osteuropa zahlt, wird auch kein Menschenschlepper neue Opfer in den Westen locken. Das Bundeskriminalamt (BKA) zählte im Jahr 2004 insgesamt 972 Opfer des Menschenhandels - und das waren nur die polizeibekannten Fälle. Die meisten von ihnen kamen aus Osteuropa, viele aus Bulgarien. «Statistisch gesehen werden 13,8 von 100 000 bulgarischen Frauen zwischen 15 und 30 Jahren Opfer des Menschenhandels in Deutschland», heißt es in einem BKA-Bericht. Und in dieser Zahl sind die Dunkelziffer und andere EU-Staaten noch nicht enthalten. |