Es war eine eindrucksvolle Premiere: 374 Tage vor dem Eröffnungsspiel der Fußball-WM weihten die DFB-Elf und der FC Bayern Münchens neuen Fußball-Tempel ein, in dem Jürgen Klinsmann mit der DFB-Auswahl am 9. Juni 2006 erfolgreich in die Mission Titelgewinn starten will.
Die Eröffnung der rund 340 Millionen Euro teuren «Allianz Arena», deren Entstehen zehntausende Autofahrer in den letzten anderthalb Jahren im täglichen Stau rund um das Autobahnkreuz München Nord verfolgen konnten, markierte einen Meilenstein in der Vorbereitung der bayerischen Landeshauptstadt auf die WM-Endrunde. Im «schönsten Stadion der Welt», wie der FC Bayern und der TSV 1860 den von ihnen finanzierten Neubau anpreisen, wurde ein begeisternder Startschuss für das Fußball-Spektakel gegeben. Der Korruptionsskandal um den inhaftierten Arena-Geschäftsführer Karl-Heinz Wildmoser junior oder das jahrelange Gezerre um den Stadion-Neubau, den erst ein Bürgerentscheid möglich machte, sollen dann keine Rolle mehr spielen.
München will gerade im Konkurrenzkampf mit Berlin eine gute Figur abgeben. Das Motto des von «Kaiser» Franz Beckenbauer angeführten Organisationskomitees (Die Welt zu Gast bei Freunden) «ist für München Programm», erklärte Oberbürgermeister Christian Ude (SPD). Die Niederlage gegen Berlin im Kampf um das Eröffnungsfest am Vorabend des Turniers und das erst durch ein Machtwort des Weltverbandes FIFA beendete Gezerre um die Teilnahme der deutschen Nationalmannschaft am Eröffnungsspiel sollen die letzten Misstöne gewesen sein.
München will sich als Fußball-Hauptstadt präsentieren - und das nicht nur an den insgesamt sechs Tagen, bei denen in der 66 000 Zuschauer fassenden Arena in Fröttmaning der WM-Ball rollt. «Vier Wochen Party», lautet das ehrgeizige Motto der lokalen Organisatoren. 2,4 Millionen Euro lässt sich die Stadt ihr WM-Begleitprogramm kosten. Zum Zentrum der WM-Fete wurde der Olympiapark auserkoren. Auf dem 850 000 qm großen Areal wird ein Open-Air-Fan-Park entstehen, der zum Treffpunkt der Kulturen und Nationen werden soll.
20 000 Zuschauer können vom späten Vormittag bis nachts um 1.00 Uhr die WM-Spiele live auf einer Großbildleinwand verfolgen. Im Theatron treten an 30 Tagen internationale Musik-Interpreten und Gruppen auf. Schon drei Tage vor dem Eröffnungsspiel findet im Olympiastadion ein Open-Air-Konzert mit den drei großen Münchner Orchestern statt, zu dem 40 000 Besucher erwartet werden.
Wie bei den Olympischen Spielen 1972 oder der Fußball-WM 1974 will sich München als «Weltstadt mit Herz» präsentieren. Der Werbewert der WM lässt sich zwar nicht in Zahlen bemessen, aber der Wirtschaftswert wird von der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT) auf 90 Millionen Euro geschätzt. Der Löwenanteil entfällt auf Hotels und Gastronomie (53 Prozent), dahinter folgt der Einzelhandel (33). Auf einer Grundlage von 1,7 Übernachtungen pro Stadionbesucher wurden bei sechs Spielen 500 000 zusätzliche Übernachtungen hochgerechnet mit durchschnittlichen Kosten von 170 Euro.
Erheblich sind die Ausgaben für die Verkehrsinfrastruktur. Für den Ausbau der Autobahnen im Bereich des Stadions, Aus- und Umbauten bei der U-Bahn sowie die Errichtung eines modernen Verkehrsleitsystems werden 210 Millionen Euro investiert. Davon entfallen 107 Millionen Euro auf die Stadt. 96 Millionen Euro hat die Münchner Messe in neue Hallen für das internationale Medienzentrum (IBC) investiert, in dem 20 000 Journalisten und Techniker während der WM arbeiten werden. Den Kampf um das Medienzentrum hatte München gegen Berlin, Düsseldorf, Frankfurt und Leipzig gewonnen. Schon Ende des Jahres wird mit dem Aufbau der Arbeitsplätze für die Reporter aus aller Welt begonnen.
Nach der Auslosung der Gruppenspiele am 9. Dezember will das Referat für Arbeit und Wirtschaft das WM-Fieber in München richtig schüren. Auf ihrer Homepage (www.muenchen.de) hat die Stadt eigens einen Link zur WM eingerichtet. Denn eine Studie im Rahmen der EM 2004 in Portugal hatte ergeben, dass WM-Touristen sich «frühzeitig und vorrangig» via Internet über die Spielorte informieren. Die WM soll ausländische Touristen und Investoren für München begeistern. Denn auch nach der WM soll ein München-Besuch «in» sein: 2008 findet die 850-Jahr-Feier statt, und 2010 steigt das 200. Oktoberfest.