Mit dem Anspruch, an die große Fußball-Tradition der Stadt anzuknüpfen, ist 2001 auch der Filmrechtehändler Michael Kölmel angetreten. Als Investor beteiligte er sich zunächst mit 27,4 Millionen Euro am ursprünglich mit 90,6 Millionen Euro veranschlagten Bau. Binnen drei Jahren entstand so inmitten des maroden Tribünenwalls des alten «Stadions der Hunderttausend» aus DDR-Zeiten ein ansehnlicher Neubau. Die Auferstehung unter kommerziellen Vorzeichen hatte allerdings ihren Preis: Das neue Zentralstadion ist die einzige WM-Arena in privatem Besitz. Das sorgte für Probleme. So entbrannte zwischen Kölmel und der Stadt ein monatelanger Streit um die Übernahme der Mehrkosten von rund 26 Millionen Euro, die unter anderem durch neue Anforderungen des Weltverbandes FIFA entstanden waren. Die Bauarbeiten am zentralen Funktionsgebäude kamen mehrmals zum Stillstand, erst im Januar sorgte ein Votum des Stadtrats für Planungssicherheit. Neue Unwägbarkeiten drohen, wenn Kölmel den geplanten Verkauf der Arena weiter forciert. Weitere Verzögerungen kann sich Leipzig jedoch nicht leisten. Bei einer Inspektion im Januar mahnten die Organisatoren zügige Fortschritte bei den Arbeiten am Funktionsgebäude an. Stadtbaurat Engelbert Lütke Daldrup ist zuversichtlich, dass alles wie vorgesehen fertig wird: «Wir sind auf einem ganz sicheren Weg.» Dass während des Confederations Cups im Juni mit drei Spielen noch improvisiert werden müsse, sei kein Hindernis: «Wenn die Generalprobe mit halber Besetzung gelingt, wird die Premiere sicher funktionieren.» Der frühere Olympia-Koordinator erwartet von der WM eine ähnlich positive Wirkung wie durch die Olympia-Bewerbung und die Ansiedlung großer Firmen in den vergangenen Jahren. Derzeit wird aus den Mitteln des Olympia-Sofortprogramms für 80 Millionen Euro eine effektivere Verkehrsinfrastruktur erstellt. Sportbürgermeister Tschense rechnet mit 50 Millionen Euro, die während der WM in der Stadt zusätzlich umgesetzt werden. Auf die Begeisterung der Leipziger hofft Lütke Daldrup rechtzeitig zum Confederations Cup: «Die Bürger werden dann zeigen, dass die Sporttradition in dieser Stadt lebt.» Wenn das Zentralstadion allerdings langfristig die Hoffnungen der Leipziger erfüllen soll, ist vor allem eines nötig: Erfolgreiche Fußballer aus der eigenen Stadt.
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