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WM-Stadt Leipzig: Zukunft Zentralstadion

Leipzig (dpa) - 01.07.2005, 14:44 Uhr

Ein Blick auf die Leipziger Innenstadt.
Ein Blick auf die Leipziger Innenstadt.

Von einer kollektiven Begeisterung wie für die Idee Olympischer Spiele ist in Leipzig mit Blick auf die Fußball-WM im kommenden Jahr noch wenig zu spüren. Dabei beginnt für die ostdeutsche WM-Stadt der Ernstfall bereits am 9./10. Dezember:

In der Glashalle der Neuen Messe werden die Vorrundengruppen für das Turnier ausgelost. «Die Auslosung wird mit Spannung rund um den Globus erwartet. Wir rechnen mit einer Milliarden-Einschaltquote», sagt Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee (SPD). Leipzig werde dort seine «Vorfreude auf die WM-Spiele» zeigen.

Während zur Zeit das Flammen-Logo der gescheiterten Olympia-Bewerbung für 2012 noch Autos und Wände ziert, sind die lachenden Gesichter des WM-Signets im Stadtbild kaum präsent. Erst von erhöhter Warte aus, vom Völkerschlachtdenkmal im Süden oder vom früheren Uni-Hochhaus im Zentrum, wird mit dem neu erbauten Zentralstadion die Zukunft als WM-Spielort wirklich sichtbar.

Für die Leipziger ist die Arena, die ohne die deutsche WM- Bewerbung wohl nie entstanden wäre, nicht nur neues Wahrzeichen, sondern zugleich Versprechen auf eine bessere fußballerische Zukunft. «Das Stadion wird mehr als anderswo für die Entwicklung des Fußballs gebraucht», sagt Sportbürgermeister Holger Tschense (SPD).

Derzeit rollt der Ball im Zentralstadion nur viertklassig. Mehr als 5000 Fans verlieren sich selten im 45 000 Zuschauer fassenden Rund zu den Heimspielen des FC Sachsen. Der Lokalrivale 1. FC Lokomotive, Nachfolger des ersten deutschen Meisters VfB Leipzig, fand sich nach zwei Insolvenzen und der Neugründung im vergangenen Sommer gar in der 11. Liga wieder. Rolf Heller, Präsident des FC Sachsen, ist trotzdem überzeugt: «Mit der WM und dem Stadion hat Leipzig eine riesengroße Perspektive.»


Mit dem Anspruch, an die große Fußball-Tradition der Stadt anzuknüpfen, ist 2001 auch der Filmrechtehändler Michael Kölmel angetreten. Als Investor beteiligte er sich zunächst mit 27,4 Millionen Euro am ursprünglich mit 90,6 Millionen Euro veranschlagten Bau. Binnen drei Jahren entstand so inmitten des maroden Tribünenwalls des alten «Stadions der Hunderttausend» aus DDR-Zeiten ein ansehnlicher Neubau. Die Auferstehung unter kommerziellen Vorzeichen hatte allerdings ihren Preis: Das neue Zentralstadion ist die einzige WM-Arena in privatem Besitz.

Das sorgte für Probleme. So entbrannte zwischen Kölmel und der Stadt ein monatelanger Streit um die Übernahme der Mehrkosten von rund 26 Millionen Euro, die unter anderem durch neue Anforderungen des Weltverbandes FIFA entstanden waren. Die Bauarbeiten am zentralen Funktionsgebäude kamen mehrmals zum Stillstand, erst im Januar sorgte ein Votum des Stadtrats für Planungssicherheit. Neue Unwägbarkeiten drohen, wenn Kölmel den geplanten Verkauf der Arena weiter forciert.

Weitere Verzögerungen kann sich Leipzig jedoch nicht leisten. Bei einer Inspektion im Januar mahnten die Organisatoren zügige Fortschritte bei den Arbeiten am Funktionsgebäude an. Stadtbaurat Engelbert Lütke Daldrup ist zuversichtlich, dass alles wie vorgesehen fertig wird: «Wir sind auf einem ganz sicheren Weg.» Dass während des Confederations Cups im Juni mit drei Spielen noch improvisiert werden müsse, sei kein Hindernis: «Wenn die Generalprobe mit halber Besetzung gelingt, wird die Premiere sicher funktionieren.»

Der frühere Olympia-Koordinator erwartet von der WM eine ähnlich positive Wirkung wie durch die Olympia-Bewerbung und die Ansiedlung großer Firmen in den vergangenen Jahren. Derzeit wird aus den Mitteln des Olympia-Sofortprogramms für 80 Millionen Euro eine effektivere Verkehrsinfrastruktur erstellt. Sportbürgermeister Tschense rechnet mit 50 Millionen Euro, die während der WM in der Stadt zusätzlich umgesetzt werden.

Auf die Begeisterung der Leipziger hofft Lütke Daldrup rechtzeitig zum Confederations Cup: «Die Bürger werden dann zeigen, dass die Sporttradition in dieser Stadt lebt.» Wenn das Zentralstadion allerdings langfristig die Hoffnungen der Leipziger erfüllen soll, ist vor allem eines nötig: Erfolgreiche Fußballer aus der eigenen Stadt.

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