Das kann keine andere WM-Stadt bieten: In Hannover wird im kommenden Jahr bei den fünf Partien der Fußball-Weltmeisterschaft wieder der gleiche Oberbürgermeister auf der Tribüne sitzen wie schon bei den WM 1974.
«Das ist für mich natürlich etwas besonderes», sagt Herbert Schmalstieg. Der 61 Jahre alte SPD-Politiker ist als dienstältester OB der Republik so etwas wie das Maskottchen der Stadt und darf wenige Monate vor dem Ende seiner dann 36-jährigen Amtszeit «noch mal einen echten Höhepunkt erleben». Für Schmalstieg steht aber schon jetzt fest: «Diese WM ist anders, sie ist größer und viel professioneller.»
Schmalstieg erinnert sich noch gut an seine erste WM. «Wir haben uns alle auf das Spiel Brasilien gegen Deutschland gefreut», berichtet er. Und dann passierte das Undenkbare, die DDR-Auswahl gewann in Hamburg gegen die Elf von Helmut Schön und reiste zum Spiel im Niedersachsen-Stadion an. «Wir waren ganz schön enttäuscht», gibt Hannovers Stadtoberhaupt zu. Für die WM 2006 sieht er der Auslosung gelassener entgegen.
Schmalstieg glaubt Hannover gut vorbereitet: durch die Erfahrungen der WM 1974, der EM 1988 und nicht zuletzt auf Grund der Expo 2000. Die Weltausstellung war zwar mit einem Defizit von etwa 1,1 Milliarden Euro teuer, aber für die Stadt Gold wert. «Wir haben eine Infrastruktur, die schon lange für die WM reif ist», betont der städtische WM-Beauftragte Klaus Timaeus, der im Hauptberuf als Schmalstiegs Büroleiter arbeitet. Weitere 120 Millionen Euro werden bis zum nächsten Jahr in Verkehrsmaßnahmen investiert.
«Es gibt keine Stadt, die verkehrstechnisch so gut aufgestellt ist», versichert Schmalstieg. Und Niedersachsens Verkehrsminister Walter Hirche meint gar: «In punkto Verkehr ist Hannover bereits im Endspiel.» Die 40 000 Zuschauer pro WM-Partie sind in der Tat zu verkraften, denn mehr als doppelt so viele kamen an manchen Expo-Tagen oder zuletzt während der Computermesse CeBIT.
«Bei der Expo haben wir geübt, jetzt können wir es», sagt Timaeus. Er verspricht ein 30-tägiges WM-Festival mit Einheimischen und Gästen. In der Stadt mit dem größten Schützenfest der Welt kann er im großen Maßstab planen und ohne Widerspruch behaupten: «Die Hannoveraner wollen mitfeiern.»
Gerne weist Hannovers WM-Beauftragter darauf hin, dass seine Stadt neben dem Dauer-Bürgermeister und der Expo-Erfahrung noch andere Besonderheiten zu bieten hat. «Wir haben mit 300 000 Euro im Jahr den geringsten Etat aller WM-Städte», versichert Timaeus. Dennoch war er als bisher einziger Städtevertreter mit der deutschen Nationalmannschaft auf Reisen, um Werbung zu machen. «Die Resonanz bei unserer Präsentation vor dem Spiel in Japan war enorm», berichtet Timaeus.
Als großen Vorteil sehen die örtlichen Organisatoren die drei Spiele des Confederations Cup in diesem Sommer in Hannover an. «Das ist ein Glücksfall, da können wir den Ablauf im und am Stadion schon einmal üben», sagt Karl Rothmund. Er ist als Geschäftsführer des lokalen WM-Organisationskomitees für die AWD-Arena zuständig. Für 63 Millionen Euro ist aus dem ehemaligen Niedersachsen-Stadion eine reine Fußball-Arena geworden. Nur dank des fast kompletten Umbaus bekam Hannover den erneuten WM-Zuschlag. Neben Martin Kind, dem Chef des Bundesligisten Hannover 96, hatte sich dafür vor allem Schmalstieg stark gemacht. Der Oberbürgermeister wusste schließlich, dass es sich lohnt.