WM-Stadt Dortmund: Westfalen-Metropole will Schub nutzen
Dortmund (dpa) - 01.07.2005, 14:46 Uhr
Der markante Rundbau der Westfalenhalle ist ein Wahrzeichen Dortmunds.
Die Ehrengäste versprühten demonstrativ Optimismus, konnten die kühle Stimmung jedoch nicht aufbessern. Die Sorge um die drohende Insolvenz der heimischen Borussia verdarb den meisten Anwesenden bei der Eröffnung des FIFA-Fußball-Globus am 21. Februar die Partylaune. Selbst der kaiserliche Zuspruch verfehlte seine Wirkung. In unnachahmlicher Manier stellte WM-OK-Präsident Franz Beckenbauer die damals für die WM-Modernisierung des Westfalenstadions noch fehlenden Mittel in Aussicht: «Daran werden die WM-Spiele in Dortmund nicht scheitern. Die paar Markl haben wir auch noch.» Für solch joviale Sprüche hatten die Gastgeber aus Dortmund damals nur ein müdes Lächeln übrig. Zu groß waren die Bedenken, dass die finanzielle Talfahrt des Bundesligisten auch den WM-Standort in Gefahr bringen könnte. Erst Wochen später gab es Entwarnung, als die Finanzierung des Stadionumbaus gesichert war. «Wir hatten ja keine Angst um die Infrastruktur der Stadt, sondern um den Verein», bekannte NRW-Verkehrmister Axel Horstmann im Nachhinein.
An Zuspruch für den WM-Standort hatte es in den Wochen zuvor nie gemangelt. Schließlich spielt die Westfalen-Metropole in den Planungen für das Turnier eine zentrale Rolle: Immerhin vier Vorrundenspiele (10. Juni, 14. Juni, 19. Juni und 22. Juni), ein Achtelfinale (27. Juni) und ein Halbfinale (4. Juli) wurden in die rund 590 000 Einwohner zählende Stadt vergeben. Nicht nur das auch international als Prachtarena anerkannte Westfalenstadion verhalf Dortmund zu einem Status als Sportstadt. Seit 1945 fanden hier über 30 Welt- und Europameisterschaften in den verschiedensten Sportarten statt. Gleichwohl ist die 18. Fußball-WM von überragender Bedeutung: Laut einer Studie kann die Revierstadt neben Leipzig mit dem größten Imagegewinn rechnen. Fachleute schätzen den PR-Wert der Endrunde allein für Dortmund auf etwa 200 Millionen Euro. |
Die einmalige Chance, sich der Welt als modern und weltoffen zu präsentieren, soll genutzt werden. Längst bilden zukunftsorientierte Unternehmen der Logistik-, Medien-, Software- und Telekommunikationsbranche sowie Industrie, Handel, Banken und Versicherung das tragende Gerüst der Unternehmenslandschaft. Die mit Stahl, Kohle und Bier groß gewordene ehemalige Malocherstadt befindet sich in einem dynamischen Strukturwandel. Die WM könnte helfen, diesen Prozess zu beschleunigen. Oberbürgermeister Gerhard Langemeyer (SPD) kündigte an, dass allein 30 Millionen Euro in den Ausbau der städtischen Verkehrsinfrastruktur fließen werden. Weitere 28,5 Millionen Euro werden für das im Westfalenhallen-Komplex untergebrachte Medienzentrum West fällig. Den Unmut vieler Bürger über die vielen Baustellen in der Stadt hält Langemeyer für unangebracht: «Wenn alles fertig ist, werden sie begeistert sein.» Die Modernisierungsmaßnahmen sollen sich für die Stadt, in der im März 2005 rund 52 000 Arbeitslose (19,0 Prozent) gezählt wurden, langfristig bezahlt machen. Doch auch kurzfristig rechnen alle Beteiligten mit belebenden Effekten. Die 250 000 erwarteten WM-Touristen werden der regionalen Wirtschaft (Gastronomie, Einzelhandel) Zusatzeinnahmen in Höhe von voraussichtlich 36 Millionen Euro bescheren. Für das Hotelgewerbe und für Privatvermieter in Dortmund und Umgebung wird bei 500 000 Übernachtungen mit weiteren 25 Millionen Euro gerechnet.
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