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WM-Stadt Kaiserslautern: Barbarossa und Betzenberg

Kaiserslautern (dpa) - 01.07.2005, 14:45 Uhr

Der beleuchtete WM-Globus auf dem Platz am Alten Theater in Kaiserslautern.
Der beleuchtete WM-Globus auf dem Platz am Alten Theater in Kaiserslautern.

Klein, aber fein, liebenswert und fußballverrückt: Mit dieser Selbstbeschreibung wirbt die mit 100 000 Einwohnern kleinste der zwölf deutschen WM-Städte für das größte Fußball-Ereignis in der Geschichte der pfälzischen «Metropole» Kaiserslautern.

Die Tradition der Fußball-Stadt mit dem Bundesliga-Gründungsmitglied und Aushängeschild 1. FC Kaiserslautern wurde mit der Vergabe von vier Vorrundenspielen und einer Partie des WM-Achtelfinales hinreichend belohnt. Ein weißer Fleck auf der WM-Landkarte wurde getilgt - bei der WM 1974 stand Kaiserslautern im Abseits.

«Eine fußballverrückte Stadt wie Kaiserslautern und die ganze Pfalz gehören einfach dazu. Besonders meinem verstorbenen Freund und Vorbild Fritz Walter hätte ich gewünscht, dass er die WM 2006 in seiner Heimatstadt noch erlebt. Leider ist ihm dies nicht vergönnt gewesen», erinnert «Kaiser» Franz Beckenbauer als WM-OK-Chef an die große Symbolfigur des Lauterer Fußballs. Der Geist des 2002 verstorbenen Kapitäns des Weltmeister-Teams von 1954, den einst ein Schulmädchen für den «Erfinder von Kaiserslautern» hielt, wird bei der WM über dem nach ihm benannten Stadion auf dem berühmt-berüchtigten Betzenberg schweben.

Fritz Walters Mitstreiter unter den «Helden von Bern», der mit seinen 73 Jahren noch immer rüstige Horst Eckel, personifiziert die Brücke von der Tradition zur Jetztzeit. «Man merkt den Menschen schon jetzt an, dass auf Kaiserslautern etwas Großes und Großartiges zukommt. Wir wollen der Fußball-Welt zeigen, welch aufgeschlossenes, freundliches und herzliches Völkchen hier zu Hause ist», sagt Kaiserslauterns WM-Botschafter voller Vorfreude. Auch der Leiter der Lauterer WM-OK-Außenstelle, FCK-Vorstandschef René C. Jäggi, sagt: «Die fußballverrückten Pfälzer freuen sich jetzt schon riesig auf die fünf WM-Spiele.»

Kaiserslautern wurde um das Jahr 830 erstmals urkundlich als Königshof Lutra erwähnt. Lange vor «König Otto» Rehhagel, der 1998 mit dem FCK den vierten deutschen Meistertitel nach 1951, 1953 und 1991 in die Pfalz holte, sorgten König Otto III. mit der Verleihung der Marktrechte (985) und Kaiser Friedrich I. Barbarossa mit dem Bau einer Kaiserpfalz (1152) für die historische Weiterentwicklung der Stadt. Nach dem Ende der napoleonischen Herrschaft fiel die Stadt mit der gesamten Pfalz Mitte des 19. Jahrhunderts an Bayern.


Mit dem Anschluss an das Eisenbahnnetz (1848) begann der Aufstieg als Industriezentrum (Textil-, Eisenhütten-, Maschinenbauindustrie). Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzten Amerikaner «K-Town» und seine Umgebung als größte US-Militärbasis außerhalb der USA. Noch heute sind mehr als 40 000 US-Soldaten mit ihren Familien hier stationiert - ein wichtiger Wirtschaftsfaktor der Region. Neuerdings versucht die Stadt, sich als IT-Standort zu positionieren und sich als «Stadt in den Wäldern» mit dem idyllischen Pfälzer Wald als attraktive Urlaubs-Region darzustellen.

Während der WM-Wochen, zu deren Spieltagen jeweils 100 000 Besucher aus aller Welt erwartet werden, nimmt auch Kaiserslautern an Deutschlands «größter Fußball-Party aller Zeiten» teil. Nach der Erstellung des Gesamtkonzepts für die zwölf WM-Städte zur Live-Übertragung auf Großbildleinwänden ist auch Kaiserslautern bereit. Erwin Saile, WM-Koordinator der Stadt: «Jetzt haben wir Planungssicherheit und können gezielt ein Programm erstellen.» Die «Public-Viewing»-Area wird auf dem Stiftsplatz eingerichtet. Eine Fan-Meile erstreckt sich rund um den modernisierten Hauptbahnhof. Dort wird vom WM-Beginn am 9. Juni an ein Unterhaltungsprogramm auf kleineren Bühnen angeboten.

Bis zum großen «Event» sollen auch die Felder Hotellerie und Infrastruktur mit Ausbau der Verkehrswege auf Straße und Schiene bestellt sein. Nachdem bereits der Anschluss der Autobahn aus Mainz an das Autobahnkreuz Ost seit Ende 2004 für die Fans aus dem Rhein-Main-Gebiet fertig ist, soll bis zur WM noch die Autobahn zwischen Kaiserslautern und Landstuhl West sechsspurig ausgebaut sein. Damit soll den Besuchern aus Luxemburg und dem Raum Trier der Schnellweg zum Betzenberg erleichtert werden.

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