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Oleguer: Katalane im spanischen Dress?

Madrid (dpa) - 13.12.2005, 13:10 Uhr

Oleguer (l) vom FC Barcelona im Zweikampf mit Sevillas Ricardo Oliveira.
Oleguer (l) vom FC Barcelona im Zweikampf mit Sevillas Ricardo Oliveira.

Kommt er oder kommt er nicht? Leistet der Fußballer Oleguer Presas dem Ruf von Trainer Luis Aragonés in die spanische Nationalmannschaft Folge oder weigert er sich? Diese Fragen beherrschten seit Tagen die Schlagzeilen der Sportpresse in Spanien.

Die Blätter witterten sechs Monate vor der Weltmeisterschaft einen Eklat. Der Verteidiger des FC Barcelona ist ein engagierter katalanischer Nationalist. Er hat nie einen Hehl daraus gemacht, für welche Nationalelf er am liebsten spielen würde: für die Kataloniens.

Aber die Region im Nordosten Spaniens darf mit ihrer Auswahl an keiner Europa- oder Weltmeisterschaft teilnehmen. Sie darf allenfalls Freundschaftsspiele bestreiten. Der Ruf des Nationaltrainers stellte den 25-jährigen Oleguer vor ein Dilemma. Sollte er als erster Kicker in der spanischen Fußballgeschichte aus politischen Gründen einen Einsatz in der spanischen Nationalelf verweigern? Bei «Barças» Heimspiel gegen FC Sevilla forderten die Fans ihn mit Spruchbändern auf: «No hi vagis!» (Fahr nicht hin!).

Aber der Eklat blieb aus. Auf Zureden des Barça-Kapitäns Carles Puyol reiste Oleguer doch ins Trainingslager des Nationalteams und wurde dort von Aragonés freundlich empfangen. «Ich frage meine Spieler nicht nach ihrer politische Einstellung», versicherte der Coach. «Mir ist egal, ob ein Fußballer Separatist, Rechtsradikaler oder Kommunist ist. Es zählt allein das Engagement auf dem Platz.»

Oleguer lehnte bei seinem Einzug ins Camp des spanischen Teams jeden Kommentar ab. Bei einer Weigerung hätte ihm nach den Statuten eine lange Sperre gedroht. Der für Sport zuständige Staatssekretär Jaime Lissavetzky betonte: «Der Fußballer traf seine Entscheidung aus freien Stücken. Niemand hat ihn unter Druck gesetzt.»


Dabei gilt es als eher unwahrscheinlich, dass Oleguer zur WM fährt. In der Rangliste der spanischen Innenverteidiger steht er nur auf dem fünften Platz. Beim FC Barcelona gehört er zu den beständigsten Profis. Oleguer spielt unscheinbar, aber zuverlässig. Er kommt fast ohne Fouls aus, weil er zumeist einen Schritt schneller ist als die gegnerischen Stürmer.

Die Glitzerwelt eines David Beckham oder Ronaldo ist ihm fremd. Seine Welt ist die Autonomen-Szene seiner Heimatstadt Sabadell vor den Toren Barcelonas. Oleguer engagierte sich in einer Kampagne linker Gruppen gegen die EU-Verfassung und gegen ein «Europa des Großkapitals». Sein erstes Tor widmete er einem 14-Jährigen, der bei einer Demonstration von der Polizei festgenommen worden war.

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