Wettskandal: VfL plant Klage - Wollitz: «Betrüger»
Osnabrück (dpa) - 31.08.2010, 13:31 Uhr
Osnabrücks Trainer Claus-Dieter Wollitz (r) schimpft 2009 mit Marcel Schuon.
Ex-Trainer Claus-Dieter Wollitz tobt und schimpft, der VfL Osnabrück plant eine Schadenersatzklage: Das Urteil gegen den im Wettskandal verurteilten Ex-VfL-Profi Marcel Schuon hat in Osnabrück und beim ehemaligen Coach die Gemüter erhitzt. «Das Strafmaß von 33 Monaten ist lächerlich», klagte Wollitz gegenüber der Nachrichtenagentur dpa: «Das ist ein Betrüger, er hat Leuten eine Illusion weggenommen. Das ist nicht entschuldbar. Er hat auf dem Fußballplatz nichts mehr zu suchen. Solche Spieler gehören für mich ins Gefängnis.» Sachlicher reagierte VfL-Präsident Dirk Rasch, der gleichwohl das Urteil des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) gegen Schuon kritisierte. «Das ist meines Erachtens nach zu gering», kommentierte der Osnabrücker Clubchef. «Das ist nicht abschreckend genug», meinte Rasch, dessen Verein in der Saison 2008/2009 wegen drei fehlender Punkte in die Relegation musste und schließlich abstieg. Nach Ansicht von Wollitz sind Schuon und der ebenfalls verwickelte Thomas Cichon «verantwortlich» für den Abstieg.
Der ehemalige VfL-Spieler Schuon war vom DFB für 33 Monate gesperrt worden. Der Kontrollausschuss und das Sportgericht des DFB sahen es als erwiesen an, dass sich Schuon bereiterklärt habe, die Ergebnisse von vier Punktspielen des VfL zu beeinflussen. «Ein Nachweis, dass es seitens von Schuon während dieser Spiele tatsächlich zu Manipulationshandlungen gekommen ist, konnte dagegen nicht geführt werden», hieß es in einer DFB-Mitteilung. Dem Profi waren laut DFB nach der 0:3-Niederlage des VfL in Augsburg am 17. April 2009 sogar bestehende Wettschulden in Höhe von 25 000 Euro erlassen worden. Schuon hat sich nach Angaben seines Anwaltes der «Verbrechensabrede» schuldig gemacht, zur Manipulation sei es aber nicht gekommen. Auch der langjährige Abwehrchef Cichon hatte Kontakt zur Wettmafia zugegeben, aber Manipulationen geleugnet. Über die Aussagen der beiden ehemaligen Profis waren die Osnabrücker dennoch «entsetzt», wie Manager Lothas Gans es ausdrückte: «Im Abstiegskampf benötigt man volle Konzentration.» Den wirtschaftlichen Schaden aus dem Abstieg in die 3. Liga bezifferte Gans auf rund fünf Millionen Euro. |