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Nach Krawallen: Hansa ohne Fans nach Ingolstadt

Frankfurt/Main (dpa) - 10.05.2010, 17:06 Uhr

Fans von Hansa Rostock zünden beim Spiel ihres Clubs in Düsseldorf Feuerwerkskörper.
Fans von Hansa Rostock zünden beim Spiel ihres Clubs in Düsseldorf Feuerwerkskörper.

Fußball-Zweitligist Hansa Rostock muss im Relegationsspiel beim Drittligisten FC Ingolstadt ohne Fans antreten. Innerhalb von 24 Stunden zog das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) Konsequenzen aus den Krawallen der Hansa-Fans beim Zweitliga-Finale in Düsseldorf.

Das DFB- Sportgericht ahndete im Schnellverfahren die Vorkommnisse vom Sonntag. Zudem wurde der FC Hansa zu einer Geldstrafe in Höhe von 35 000 Euro verurteilt und muss Schadenersatz in Höhe des zustehenden Kartenkontingents an den FC Ingolstadt leisten. Der Verein hat dem Urteil bereits zugestimmt, es ist damit rechtskräftig.

Heftige Kritik an die Vereinsspitze des FC Hansa wurde zudem von Mecklenburg-Vorpommerns Sport- und Innenminister Lorenz Caffier (CDU) erhoben. Dem Verein mangele es immer noch an einer koordinierten Fan-Betreuung bei Heimspielen und Reisen, um Randalen im Stadion zu unterbinden, sagte Caffier in Schwerin der Nachrichtenagentur dpa. Dabei sei bekannt, dass der Verein ein Problem mit gewaltbereiten Anhängern habe. «Es fehlt eine klare Haltung des Vereins, insbesondere des Aufsichtsrates.» Caffier kündigte an, die Strafen für Fußball-Chaoten verschärfen zu wollen.

«Wir haben immer auf Kommunikation gesetzt, das ist jetzt vorbei», sagte Hansas Vorstandschef Jörg Hempel auf einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz des Vereins. Gleichzeitig entschuldigte er sich bei der Fortuna, der Stadt Düsseldorf sowie bei den Polizisten und Kameraleuten, die bei den Randalen vor und während des Spiels verletzt worden waren.

«Die negative Ausstrahlung des FC Hansa Rostock hat in Düsseldorf einen traurigen Höhepunkt erlebt», betonte Hempel. Die Randalierer seien keine Hansa-Fans, vielmehr handle es sich um «kriminelle Subjekte, die uns als Plattform benutzen», meinte der Vorstandschef und forderte: «Wir müssen diesen Verbrechern konsequent in den Arm fallen.» Der stellvertretende Vorsitzende des Hansa-Aufsichtsrats, Torsten Völker, versprach, «alles zu tun, damit jetzt Ruhe in den Verein einzieht». Gespräche mit den «Tätern von Düsseldorf» werde es dagegen nicht mehr geben. Vielmehr müssten alle Mittel des Rechtsstaates genutzt werden, ihnen das Handwerk zu legen, meinte Hempel. Der Verein stellte Strafanzeige gegen Unbekannt und will somit die Randalierer über das Zivilrecht für die finanziellen Einbußen haftbar machen.


Zurückhaltend reagierte Ingolstadts Manager Harald Gärtner auf den Ausschluss der Hansa-Fans. «Wir freuen uns auf das Relegationsspiel bei uns», sagte er. «Wir versuchen, das sportlich anzugehen.»

Schiedsrichter Wolfgang Stark, der die Begegnung in Düsseldorf leitete, sprach von «einem der schwierigsten Spiele». «Man ist irgendwie machtlos», sagte der FIFA-Referee aus Ergolding. «Es war uns im Vorfeld klar, dass es nicht so einfach wird. Wir mussten dann alle Register ziehen, um das Spiel durchzubekommen.» Die Partie stand bereits nach sechs Minuten am Rande eines Abbruchs, weil aus dem Rostocker Fanblock Feuerwerkskörper aufs Spielfeld geworfen wurden. Hansa-Torwart Alexander Walke musste behandelt werden. Nach einer 20-minütigen Unterbrechung entschieden Stark und DFL-Vertreter, das Spiel fortzusetzen.

Auch kurz vor dem Ende unterbrach Stark das Spiel erneut, weil in unmittelbarer Nähe seines Assistenten Mike Pickel ein Feuerwerkskörper explodierte. «Er hatte nach dem Spiel ein leises Pfeifen im Ohr», sagte Stark. Schon in der Nacht zuvor war es in der Düsseldorfer Altstadt zu Ausschreitungen von Rostocker Fans gekommen. 14 Polizisten wurden verletzt, 159 Personen festgenommen. Bei den Randalierern handelte es sich nach Polizei-Information «fast ausnahmslos um Anhänger des FC Hansa Rostock». Nach der Begegnung blieb alles ruhig.

«Wir stehen seit längerem im engen Kontakt mit dem Verein und sind überzeugt, dass auch die dortigen Verantwortlichen die Zeichen der Zeit verstanden haben», sagte der DFB-Sicherheitsbeauftragte Helmut Spahn. Ein Sonderlob hatte er für Stark parat, der mit seinem «Fingerspitzengefühl» maßgeblich dazu beigetragen habe, dass die Begegnung am Sonntag trotz der Vorfälle ordnungsgemäß zu Ende gebracht werden konnte.

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