St. Pauli legt Kiez lahm und will 1. Liga «rocken»
10.05.2010, 16:34 Uhr
Die Mannschaft vom FC St. Pauli macht auf dem Rasen eine Polonaise.
Hamburg (dpa) Als der Baumeister des Erfolgs endlich nach dem Mikrofon griff, kannte der Jubel auf dem Hamburger Kiez kein Halten mehr. «Ihr seid die Größten», brüllte St. Paulis Aufstiegs-Coach Holger Stanislawski den knapp 50 000 Fußball-Fans auf der Reeperbahn zu. Der Rest ging im kolossalen Jubel unter. Ausnahmezustand bis zum frühen Montagmorgen auf Hamburgs «sündigster Meile». Die Profis des FC St. Pauli spielen nach acht Jahren wieder erstklassig und eine ganze Stadt bekannte zumindest für eine Nacht Farbe: Hamburg ist braun-weiß. Auf dem Balkon des «Schmidt's Tivoli»-Theaters ließ sich die Pauli-Truppe feiern und stimmte einen Aufstiegs-Hit nach dem anderen an. In Anlehnung an die verpasste Zweitliga-Trophäe präsentierten die Spieler eine Auto-Radkappe mit Vereins-Emblem, während ihre Anhänger aus einer Kehle «We love St. Pauli» sangen. «Das geht runter wie Öl. Da hat man Gänsehaut», sagte Mittelfeldspieler Fabian Boll.
Im Schritttempo war die Mannschaft im offenen Doppelstockbus die 300 Meter vom Stadion zur Reeperbahn gefahren. Stürmer Deniz Naki schwenkte als Galionsfigur vorn auf dem Bus stehend eine riesige Totenkopffahne. «Zweite Liga es war schön. Zeit für uns zu gehn», sangen die Fans. Die Kiez-Kicker bedankten sich für die Unterstützung mit einem Vorgeschmack auf die nächste Spielzeit. Nach dem Schlusspfiff gegen Paderborn war die Hälfte der Profis in die Trikots zukünftiger Bundesliga-Gegner geschlüpft. Die kurze Partie ließ von vornherein nur einen Sieger zu: St. Pauli. Bei der anschließenden Polonaise gaben die Spieler auf einem Plakat ein Versprechen ab: «Wir rocken die Bundesliga.» «Die Mannschaft hat bewiesen, dass sie nicht nur Fußballspielen und Kämpfen kann. Sie ist auch noch kreativ», sagte Sportdirektor Helmut Schulte zur Show der Profis. Stanislawski lobte die «gelungene Choreografie» seiner Mannschaft, die, wie Fabio Morena zugab, keinesfalls lange geplant war. «Wir hatten aus den Medien erfahren, das der Verein angeblich etwas vorhabe», verriet der Kapitän. «Da mussten wir uns natürlich etwas einfallen lassen». |