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Fall Rostock: Hansa droht drastische Strafe

10.05.2010, 13:12 Uhr

Fans von Hansa Rostock zünden beim Spiel ihres Clubs in Düsseldorf Feuerwerkskörper.
Fans von Hansa Rostock zünden beim Spiel ihres Clubs in Düsseldorf Feuerwerkskörper.

Leipzig/Frankfurt/Main (dpa) - Dem Fußball-Zweitligisten FC Hansa Rostock droht nach den schweren Ausschreitungen seiner Fans beim letzten Saisonspiel in Düsseldorf (1:3) eine drastische Strafe. Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball- Bundes (DFB) nahm seine Ermittlungen auf.

«Über mögliche Konsequenzen können wir aber noch nichts sagen. Dafür ist es noch zu früh», sagte ein DFB-Sprecher. Der DFB-Sicherheitsbeauftragte Helmut Spahn rechnet mit einer «zeitnahen» Entscheidung der Sportgerichtsbarkeit. «Wir werden angemessene und zielführende Maßnahmen finden, so wie uns das auch schon in den vergangenen Wochen gelungen ist», sagte Spahn der Nachrichtenagentur dpa. Da der FC Hansa Rostock bereits am 14. Mai zum ersten Relegationsspiel beim FC Ingolstadt antritt, ist für den DFB Eile geboten.

Schiedsrichter Wolfgang Stark, der die Begegnung in Düsseldorf leitete, sprach von «einem der schwierigsten Spiele». «Man ist irgendwie machtlos», sagte der FIFA-Referee aus Ergolding. «Es war uns im Vorfeld klar, dass es nicht so einfach wird. Wir mussten dann alle Register ziehen, um das Spiel durchzubekommen.» Die Partie stand bereits nach sechs Minuten am Rande eines Abbruchs, weil aus dem Rostocker Fanblock Feuerwerkskörper aufs Spielfeld geworfen wurden. Hansa-Torwart Alexander Walke musste behandelt werden. Nach einer 20-minütigen Unterbrechung entschieden Stark und DFL-Vertreter, das Spiel fortzusetzen.

Auch kurz vor dem Ende unterbrach Stark das Spiel erneut, weil in unmittelbarer Nähe seines Assistenten Mike Pickel ein Feuerwerkskörper explodierte. «Er hatte nach dem Spiel ein leises Pfeifen im Ohr», sagte Stark. Schon in der Nacht zuvor war es in der Düsseldorfer Altstadt zu Ausschreitungen von Rostocker Fans gekommen. 14 Polizisten wurden verletzt, 159 Personen festgenommen. Bei den Randalierern handelte es sich nach Polizei-Information «fast ausnahmslos um Anhänger des FC Hansa Rostock». Nach der Begegnung blieb alles ruhig. «Das war problemlos. Die Rostocker Anhänger haben das Stadion und die Stadt ruhig und problemlos verlassen», sagte Wolfgang Rodax, Leiter der Pressestelle der Polizei Düsseldorf am Montag.

Rodax betonte, dass die Polizei mit der Präsenz «etlicher Hundertschaften» auf Ausschreitungen vorbereitet war. Mögliche Vorwürfe, etwa von Rostocker Seite, die Behörden hätten die Lage im Vorfeld unzureichend bewertet, würden «ins Leere laufen», sagte Rodax. «Die Problematik bei Auftritten von Rostocker Fans in anderen Stadien ist gegenwärtig», sagte er.


In der jüngeren Vergangenheit hatte das DFB-Sportgericht erstmals die Übeltäter von Vorfällen direkt bestraft, indem den Fans der jeweiligen Clubs Fahrten zu Auswärtsspielen untersagt worden waren. So durften unter anderem Anhänger des 1. FC Köln wegen diverser Vorfälle ihr Team nicht zur Partie bei 1899 Hoffenheim begleiten. An Fans des 1. FC Nürnberg waren für zwei Begegnungen in der Fremde keine Stehplatz-Tickets und nur personalisierte Sitzplatzkarten verkauft worden.

Den Rostockern könnte jedoch auch ein «Geisterspiel» im eigenen Stadion drohen. Auf den Club dürfte in jeden Fall eine drastische Strafe warten, weil die Hansa-Fans bereits mehrfach negativ aufgefallen sind. «Es ist richtig, dass Rostock bereits öfters im Fokus sicherheitsrelevanter Vorkommnisse stand», sagte Spahn.

«Wir stehen seit längerem im engen Kontakt mit dem Verein und sind überzeugt, dass auch die dortigen Verantwortlichen die Zeichen der Zeit verstanden haben», sagte Spahn. Ein Sonderlob hatte er für Stark parat, der mit seinem «Fingerspitzengefühl» maßgeblich dazu beigetragen habe, dass die Begegnung trotz der Vorfälle ordnungsgemäß zu Ende gebracht werden konnte.

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