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«Zu späte» Energie im Osten - Rohdiamant Petersen

Cottbus (dpa) - 27.04.2010, 12:10 Uhr

Der Cottbuser Nils Petersen jubelt nach dem Sieg gegen Union Berlin.
Der Cottbuser Nils Petersen jubelt nach dem Sieg gegen Union Berlin.

Die Freuden-Tänze und -Gesänge erinnerten ein wenig an eine der legendären Erstliga-Partys - doch zu feiern gab es in der Lausitz diesmal nur den Verbleib in der 2. Fußball-Liga.

In den letzten beiden Spielen dieser Saison bleibt dem einstigen Erstligisten, der in sechs Jahren als Underdog im Oberhaus manch Großem wie dem FC Bayern und Schalke 04 ein Schnippchen geschlagen hatte, mit nun 43 Punkten und Platz zehn zumindest das große Zittern erspart. «Ich bin froh, dass wir die Problematik nicht mehr haben», erklärte Energie-Coach Claus-Dieter Wollitz erleichtert nach dem überzeugenden 4:2 im Ost-Derby gegen den 1. FC Union Berlin.

Sein Kollege Uwe Neuhaus dagegen muss mit seinem Team plötzlich genau wie der dritte Nordost-Club Hansa Rostock wieder zittern. Zwar hat der Klassen-Neuling Union sechs Punkte und sechs Tore Vorsprung auf Hansa und den Relegationsplatz 16. Doch Neuhaus verdeutlichte die ernste Lage: «Wenn wir keinen Punkt mehr holen, wird es eng.» Im Zielsprint des neuen Ost-Rennens spielt nun Energie das Zünglein an der Waage, Cottbus tritt in Rostock an. «Wir werden alles tun, um mit drei Punkten zurückzukommen. Wir sind dem Fairplay und der Liga verpflichtet», betonte Wollitz.

Die 4:2-Gala vor 15 140 Fans gegen Union, die sich nahtlos an die jüngsten 4:1- (Bielefeld) und 4:2-Heimsiege (Düsseldorf) anschloss, stimmte Profis, Fans und Verantwortliche aber auch nachdenklich. «Schade» und «zu spät» waren an dem verregneten Montagabend wohl die meist gebrauchten Worte. «Wir haben am Schluss gesehen, was möglich ist», erklärte Energie-Präsident Ulrich Lepsch und schloss die angestrebte Konsequenz für die kommende Spielzeit an: «Wir werden versuchen, die Mannschaft zum großen Teil zusammenzuhalten und noch ein, zwei Spieler dazuzuholen.»

Erst im Saison-Endspurt zeigte der Bundesliga-Absteiger aus Cottbus das Potenzial, das Akteure wie Stanislaw Angelow (hat von Energie ein neues Vertragsangebot), Stiven Rivic (könnte für 1,8 Millionen Euro wechseln), Jiayi Shao oder die Ex-Dortmunder Markus Brzenska und Marc-André Kruska mitbringen. «Definitiv» sei für Energie in dieser Saison deshalb mehr drin gewesen, unterstrich der gute Torwart Gerhard Tremmel, dessen sportliche Zukunft offen ist. «Wir hätten eigentlich viel, viel mehr Punkte haben müssen», gab auch Chefcoach Wollitz zu, der beim Neuaufbau und der Integration von jungen Spielern allerdings mehr Probleme hatte als erhofft.

«Ich musste die Spieler erst einmal mental überzeugen, mal was zu riskieren, auch wenn es in die Hose geht. Das kannten sie nicht», nannte Wollitz einen Grund für die zu spät aufgerufenen Kräfte. «Erst jetzt zahlt sich die Geduld aus», so Wollitz: «Rückschläge lassen uns nicht mehr zusammenbrechen.» Und in Nils Petersen hat der Trainer einen neuen Rohdiamanten aus der Kiste geholt: Der 21-Jährige, der beim FC Carl Zeiss Jena die Nachwuchs-Schule durchlief, markierte gegen Union schon seine Saisontore Nummer acht und neun; und zeigte danach auch noch klaren Kopf. «Ich bleibe definitiv in Cottbus und werde im Sommer nicht wechseln. Ich habe hier einen Stammplatz, das werde ich nicht aufs Spiel setzen», sagte Petersen.


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