DFB-Boss Zwanziger, wegen seiner Informationspolitik in dieser Affäre immer mehr in Erklärungsnot geraten, will sich bis zur turnusmäßigen Präsidiumssitzung in der Frankfurter DFB-Zentrale nicht mehr äußern. Vorher sei auch keine Anhörung Kempters vor dem DFB-Kontrollausschuss geplant, bestätigte ein DFB-Sprecher auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa. Die «Bild» zitierte den 27 Jahre alten Referee Kempter so: «Von meiner Seite ist alles gesagt. Ich werde mich zu dem Thema nicht mehr äußern.» Das Gremium des DFB-Sportgerichts prüft derweil weiter, ob eine von Amerell öffentlich gemachte Mail zum Thema FC Bayern - wie der 63-Jährige behauptet - wirklich von dem zur Zeit nicht eingesetzten Bundesliga-Schiedsrichter Kempter stammt. In der von Amerell veröffentlichten Mail heißt es: «Gleich spielen die Bayern. Hoffentlich fliegen sie raus. Dann können wir darauf anstoßen.» Am 12. März wird auf der Präsidiumssitzung in Frankfurt/Main zudem entschieden, ob vor dem für Oktober angesetzten DFB-Bundestag noch ein Außerordentlicher Bundestag für Ende April einberufen werden soll. Angeblich ist auch geplant, dass der designierte Schiedsrichter-Ausschussvorsitzende Herbert Fandel als Nachfolger des ebenfalls in die Kritik geratenen Volker Roth neue Konzepte für das Schiedsrichterwesen vorstellt. Die Spekulationen über eine möglichen vorzeitigen Rücktritt des 68 Jahre alten Roth wurden in der «Süddeutschen Zeitung» entkräftet. Roth denke nicht daran, zurückzutreten, berichtete der Vorsitzende des Niedersächsischen Fußball-Verbandes (NFV), Karl Rothermund, in der Zeitung von einem Gespräch mit Roth. Dieser sei sich keiner Schuld bewusst und habe alles «nach bestem Wissen und Gewissen gemacht». Roth soll an Weihnachten 2009 von Kempter als Erster über die angeblichen sexuellen Belästigungen durch Amerell unterrichtet worden sein. Diese Informationen soll Roth allerdings erst Wochen später an Zwanziger weitergeleitet haben.
 |