Amerell greift Zwanziger an - DFB will klagen
Frankfurt/Main (dpa) - 10.03.2010, 21:51 Uhr
Manfred Amerell begibt sich Anfang März in den Verhandlungssaal des Landgerichts München.
Der Schiedsrichter-Skandal um Manfred Amerell geht in die nächste Runde. Der DFB will seinen ehemaligen Funktionär nach dessen jüngsten Anschuldigungen vor allem gegen Präsident Theo Zwanziger verklagen. Der Deutsche Fußball-Bund kündigte an, den früheren Bundesliga-Referee wegen übler Nachrede und Verleumdung anzuzeigen. «Mit seinen neuesten Äußerungen in den Medien ist Herr Amerell endgültig zu weit gegangen», hieß es in der Verbandsmitteilung. Der DFB werde dem «medialen Rachefeldzug nicht weiter tatenlos zusehen und auf die beleidigenden Aussagen» reagieren. Amerell hatte im Magazin «Sportbild» Zwanziger eine einseitige Aufklärung im Schiedsrichter-Skandal vorgeworfen. Amerell wird beschuldigt, Unparteiische sexuell belästigt zu haben. Er bestreitet dies. Im Deutschen Sportfernsehen DSF unterstellte Amerell dem DFB-Chef, einem Schiedsrichter aus dessen Heimatverein den Aufstieg in die Bundesliga ermöglicht zu haben, obwohl angeblich andere Unparteiische besser bewertet worden seien.
Zuvor hatte Amerell schon seine Angriffe auf Zwanziger verschärft. «Das ist die größte menschliche Enttäuschung meines Lebens, dass ein Präsident mit so viel Erfahrung rücksichtslos über Leichen geht», sagte Amerell der «Sportbild». «Fürsorgepflicht hat er auch gegenüber denen, die Fehler machen. Das hat er außer Acht gelassen», ergänzte das frühere Mitglied im Schiedsrichter-Ausschuss des DFB. Im DSF betonte er, er würde keinen Rachefeldzug gegen Zwanziger führen: «Das wäre dem Herrn Zwanziger zu viel der Ehre.» «Jeder, der unseren Präsidenten und sein aufrichtiges Engagement für einen werteorientierten Sport kennt, kann bei solchen Äußerungen nur fassungslos den Kopf schütteln. Letztendlich disqualifiziert sich Herr Amerell durch derart niveaulose Aussagen nur noch mehr», sagte DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach zu dem Magazin-Interview. Zwanziger und der als Kronzeuge aufgetretene Schiedsrichter Michael Kempter, der den Fall Amerell ins Rollen gebracht hatte, haben sich derweil einen Maulkorb verpasst. |