Amerell greift Zwanziger an - Kempter schweigt
Frankfurt/Main (dpa) - 10.03.2010, 15:40 Uhr
Manfred Amerell begibt sich Anfang März in den Verhandlungssaal des Landgerichts München.
Manfred Amerell hat seine Angriffe auf Theo Zwanziger verschärft und dem DFB-Chef mit markigen Worten erneut einseitige Aufklärung im Schiedsrichter-Skandal vorgeworfen. «Das ist die größte menschliche Enttäuschung meines Lebens, dass ein Präsident mit so viel Erfahrung rücksichtslos über Leichen geht», sagte Amerell dem Magazin «Sportbild». «Fürsorgepflicht hat er auch gegenüber denen, die Fehler machen. Das hat er außer Acht gelassen», ergänzte der ehemalige Bundesliga-Referee Amerell, dem mehrere Unparteiische sexuelle Nötigung vorwerfen. Das frühere Mitglied im Schiedsrichter-Ausschuss des DFB hat dies stets bestritten. «Jeder, der unseren Präsidenten und sein aufrichtiges Engagement für einen werteorientierten Sport kennt, kann bei solchen Äußerungen nur fassungslos den Kopf schütteln. Letztendlich disqualifiziert sich Herr Amerell durch derart niveaulose Aussagen nur noch mehr», sagte DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach zu dem Magazin-Interview. Zwanziger und der als Kronzeuge aufgetretene Schiedsrichter Michael Kempter, der den Fall Amerell ins Rollen gebracht hatte, haben sich derweil einen Maulkorb verpasst.
DFB-Boss Zwanziger, wegen seiner Informationspolitik in dieser Affäre immer mehr in Erklärungsnot geraten, will sich bis zur turnusmäßigen Präsidiumssitzung in der Frankfurter DFB-Zentrale nicht mehr äußern. Vorher sei auch keine Anhörung Kempters vor dem DFB-Kontrollausschuss geplant, bestätigte ein DFB-Sprecher auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa. Am 10. März zitierte die «Bild» den 27 Jahre alten Referee Kempter so: «Von meiner Seite ist alles gesagt. Ich werde mich zu dem Thema nicht mehr äußern.» Das Gremium des DFB-Sportgerichts prüft derweil weiter, ob eine von Amerell öffentlich gemachte Mail zum Thema FC Bayern - wie der 63-Jährige behauptet - wirklich von dem zur Zeit nicht eingesetzten Bundesliga-Schiedsrichter Kempter stammt. In der von Amerell veröffentlichten Mail heißt es: «Gleich spielen die Bayern. Hoffentlich fliegen sie raus. Dann können wir darauf anstoßen.» |