Fürth im freien Fall: Die heile Welt bröckelt
Fürth (dpa) - 08.12.2009, 12:13 Uhr
Der Fürther Dani Schahin steht nach dem Schlusspfiff enttäuscht auf dem Rasen.
Die Pleitenserie geht weiter, die Mannschaft hat Angst und der Trainer ist ratlos. Nach vier Heimniederlagen in Serie und nur noch sechs Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz droht der SpVgg Greuther Fürth in der 2. Fußball-Bundesliga der ungewohnte Abstiegskampf. Nach dem 0:2 gegen Alemannia Aachen wollte dies aber kaum jemand wahrhaben. Spieler und Verantwortliche flüchten sich in Durchhalteparolen - allein die Fans machen sich nach dem bösen Absturz ihrer Mannschaft ernsthaft Sorgen. Als nach Aachens Toren durch Benjamin Auer (10. Minute) und Patrick Milchraum (72.) der Krisengipfel zugunsten der Alemannen entschieden war, hielten sich die Fürther Anhänger noch zurück. Später in verschiedenen Internetforen übten sie dann schonungslos Kritik, schrieben von einer «blutleeren und toten Mannschaft», von «Trauerspiel und Schande» und forderten den Rücktritt von Trainer Benno Möhlmann und Vereinspräsident Helmut Hack.
Der hatte schon Tage vor der Partie den freien Fall der Fürther mit Sorge verfolgt und Alarm geschlagen: «In Fürth gibt es keine heile Welt mehr». Genutzt haben Hacks warnende Worte nicht. Ohne Selbstvertrauen und total verunsichert ergaben sich die Fürther ihrem Schicksal, und Möhlmann gab nach den trostlosen 90 Minuten unumwunden zu: «Wir haben zu ängstlich gespielt.» Gründe für die Talfahrt fallen dem Coach nicht ein. «Im Training sind die Jungs gut drauf, aber im Spiel geht alles daneben», meinte Möhlmann und ergänzte: «Ich bin hundertprozentig davon überzeugt, dass ich die Mannschaft erreiche.» Doch die Unzufriedenheit im Team wird auf dem Platz immer deutlicher. Leistungsträger wie Christopher Nöthe, Sami Allagui und Marino Biliskov waren gegen Aachen Totalausfälle, auch ein erfahrener Profi wie Bernd Nehrig ging im Fürther Chaos unter. «Das war eine absolute Blamage», stellte Torwart Stephan Loboué entsetzt fest. Die Spieler müssten zurück zu sich selbst finden, lautet die Parole von SpVgg-Manager Rachid Azzouzi vor dem Gastspiel beim FC St. Pauli. Intensive Gespräche unter der Woche sollen dabei helfen. In Aachen herrscht nach den Turbulenzen der vergangenen Tage vorerst Ruhe. Trainer Michael Krüger sah nach dem Erfolg aber keinen Anlass zu überschwänglicher Freude. «Das war keine Wende, aber ein Ansatz, um in der Erfolgsspur zu bleiben», sagte er. Die Alemannen feierten ihren ersten Sieg in Fürth überhaupt und übernahmen nebenbei Platz eins in der ewigen Zweitliga-Tabelle vor Fortuna Köln.
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