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Geyer genießt Rente - Ablenkung nach Mauerfall

Dresden (dpa) - 07.10.2009, 09:41 Uhr

Eduard Geyer feuert seine Cottbuser Mannschaft 2003 lautstark an.
Eduard Geyer feuert seine Cottbuser Mannschaft 2003 lautstark an.

Den offiziellen Eintritt in das Rentner-Leben genießt der einst so laute Eduard Geyer in aller Stille.

Nachdem «Ede Gnadenlos» zu seinen früheren runden Jubiläen noch große Feiern abgezogen und dazu auch ehemalige Kollegen aus der Fußball-Branche eingeladen hatte, will der Sachse seinen 65. Geburtstag am 7. Oktober im engsten Familienkreis begehen. «Es wird nicht so ein Riesenfest wie bei meinem 50. oder 60.», verriet Geyer, der neben Hans Meyer zum kleinen Kreis jener DDR-Trainer gehört, die sich auch in der Bundesliga einen festen Platz erkämpften.

Inzwischen hat sich Geyer vom großen Profi-Geschäft verabschiedet. «Die fragen mich nicht, nehmen die Falschen. Was da an mittelmäßigen Trainern 'rumspringt. Aber ich bin nicht gram, wundere mich nur», merkte der gebürtige Schlesier scherzhaft zu den ausbleibenden Angeboten an. Zum 20. Jahrestag des Mauerfalls wird Geyer, der vor allem durch seine zehn Jahre Trainer-Tätigkeit bei Energie Cottbus zu einer Kultfigur wurde, dennoch wieder öfter gefragt. Denn kaum eine Persönlichkeit aus dem Sport ist so stark mit der deutsch-deutschen Geschichte verwoben wie der Dresdner.

Geboren wurde Geyer am 7. Oktober 1944 im oberschlesischen Bielitz, genau fünf Jahre später gründete sich die DDR, wohin seine Familie zog. Als Verteidiger von Dynamo Dresden lieferte er sich 1973 unvergessene Duelle mit Bayern-Stürmer Uli Hoeneß. Als letzter DDR- Nationalcoach scheiterte er in der WM-Qualifikation 1989 kurz nach Maueröffnung an Österreich. «Die Spieler sind damals total abgelenkt und mit Angeboten überschüttet worden», erinnert sich Geyer.

Jenes Spiel in Wien im Wende-Herbst 1989 ist für den Fußball- Lehrer Geyer, der auf all seinen Stationen von Dresden über Siofok in Ungarn, Leipzig und Cottbus bis nach Dubai als «Schleifer» und Mann mit Prinzipien bekannt und auch gefürchtet war, inzwischen ein Spiel von vielen. «Es ist ein Teil meiner Vita, aber es beschäftigt mich nicht mehr besonders, ich stelle keine Kerze auf den Altar», betonte der Jubilar. Nach seiner Beurlaubung beim FC Energie im November 2004 hatte es Geyer zuletzt 2008 nochmals als Chefcoach bei seiner großen Liebe Dynamo Dresden versucht, doch trotz der gelungenen Drittliga- Qualifikation war nach nur acht Monaten wieder Schluss. Inzwischen ist er vor allem bei seinen Enkeln Frederic (7) und Fabian (5) der gern gesehene «Antreiber».


Festlegen will sich Geyer über die Endgültigkeit seines Rentner- Daseins aber noch nicht. «Ich lass' mich selbst überraschen, ich hab' ja keinen Zwang», meinte der Familienmensch, der seit 42 Jahren mit seiner Angelika verheiratet ist. Fit für einen Trainerjob fühlt er sich noch immer: «Ich bin gut informiert, interessiere mich für alles, auch für die unteren Spielklassen.»

Er hängt noch besonders am Fußball im Osten, auch wenn er diesem keine rosige Zukunft voraussagt. «Da wird es in nächster Zeit keine größeren Veränderungen geben. Da fehlen einfach die finanziellen Mittel», sagte Geyer zur Ost-Abstinenz in der Bundesliga. Er fordert aber auch: «Dem soll man nicht so lange nachtrauern. Leipzig und Dresden waren ja auch schon mal in der 1. Bundesliga, haben aber zu wenig aus der guten Ausgangsposition gemacht.» Und schließlich hat Geyer er mit dem FC Energie lange gezeigt, wie man Standort-Nachteile wettmachen kann.

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