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TuS Koblenz «kann dem Assistenten dankbar sein»

Frankfurt/Main (dpa) - 18.05.2009, 18:05 Uhr

Der Koblenzer Njazi Kuqi fehlte im Spiel gegen den FC St. Pauli auf dem Spielberichtsbogen.
Der Koblenzer Njazi Kuqi fehlte im Spiel gegen den FC St. Pauli auf dem Spielberichtsbogen.

Die Aufmerksamkeit von Schiedsrichter-Assistent Markus Häcker hat den Fußball-Zweitligisten TuS Koblenz bei seinem Wechselfehler im Spiel gegen den FC St. Pauli möglicherweise vor größeren Konsequenzen bewahrt.

«Der Verein kann sich beim Schiedsrichter-Assistenten bedanken. Wir geben unseren Schiedsrichtern und Assistenten nämlich keine Anweisungen, dass sie die Namen der eingewechselten Spieler mit dem Spielberichtsbogen abgleichen müssen», sagte Eugen Strigel, Schiedsrichter-Lehrwart des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), der Deutschen Presse-Agentur dpa. Das DFB-Sportgericht belegte Koblenz wegen einer «leichten Fahrlässigkeit» mit einer Geldstrafe in Höhe von 3000 Euro.

Häcker hatte beim 2:1-Sieg der abstiegsbedrohten Koblenzer bemerkt, dass der eingewechselte Njazi Kuqi nicht auf dem Spielberichtsbogen stand. Daraufhin schickte der Unparteiische Manuel Gräfe (Berlin) den Finnen wieder vom Feld, ohne dass dieser gespielt hatte. Wäre Kuqi in den verbleibenden 21 Minuten zum Einsatz gekommen, hätten die Koblenzer mit dem Abzug von drei Punkten rechnen müssen. Damit wären sie vor dem letzten Spieltag auf den Relegationsplatz abgerutscht. TuS-Trainer Uwe Rapolder bezeichnete den Vorfall aber als «amateurhaft». Dem Club waren wegen Täuschung im Lizenzierungsverfahren bereits vor der Saison drei Punkte abgezogen worden.

Nach Angaben Strigels hatte sich Assistent Häcker den Spielberichtsbogen nur in die Tasche gesteckt, weil es bei der elektronischen Erstellung des Papiers vor dem Anpfiff Probleme gegeben hatte. Daraufhin wurde die Liste mit der Hand geschrieben - und Kuqis Name vergessen. Nach dem FC St. Pauli kündigten in Hansa Rostock, dem FSV Frankfurt und dem VfL Osnabrück auch die Koblenzer Konkurrenten im Abstiegskampf an, keinen Protest einzulegen. «Wir sind vor zehn Jahren durch den gleichen Wechselfehler abgestiegen, das war einer der bittersten Momente der Vereinsgeschichte», begründete FSV-Manager Bernd Reisig die Entscheidung des Clubs, der als Tabellen-14. selbst noch um den Klassenverbleib bangen muss.

In der Saison 1999/2000 hatten die Hessen im letzten Saisonspiel gegen die Amateure des VfB Stuttgart Elton da Costa eingewechselt, obwohl dieser nicht auf dem Spielberichtsbogen vermerkt war. Der SV Wehen legte damals als unbeteiligter Verein Protest ein, dem FSV wurden in zweiter Instanz die drei Punkte aus dem 1:0-Sieg wieder aberkannt. Frankfurt musste daraufhin in die Relegation gegen Jahn Regensburg und stieg nach zwei Niederlagen in die Oberliga ab.


Prominente Fälle gab es bei anderen Wechselfehlern in der Bundesliga: So wechselte Kaiserslauterns Trainer Otto Rehhagel 1998 gegen den VfL Bochum mit Pascal Ojigwe den vierten nicht-europäischen Spieler ein. Der Coach wurde von einem Funktionär - wie die Fernsehkameras schön einfingen - auf den Fauxpas aufmerksam gemacht. Rehhagel rief den Ägypter Hany Ramzy an der Außenlinie zu sich. Der fing plötzlich an zu «humpeln» und wurde ausgewechselt. Lautern hatte die Partie allerdings ohnehin 2:3 verloren.

Christoph Daum wechselte 1992 in der Champions League gegen Leeds United einen vierten Ausländer ein - das Aus für den VfB Stuttgart im Europapokal. Der heutige Lehrwart Strigel selbst leitete 1995 die Partie Eintracht Frankfurt - FC Bayern München, als Giovanni Trapattoni Dietmar Hamann einwechselte, obwohl bereits drei Vertragsamateure auf dem Platz standen.

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