Aachen beurlaubt Sportdirektor Schmadtke
Aachen (dpa) - 21.10.2008, 13:27 Uhr
Sportdirektor Jörg Schmadtke wurde in Aachen beurlaubt.
Die Ehe ist gescheitert. Im «verflixten» siebten Jahr hat sich Fußball-Zweitligist Alemannia Aachen von Sportdirektor Jörg Schmadtke getrennt. Der frühere Profi wurde in der Nacht beurlaubt, kurz nach dem 2:0 (2:0)-Erfolg der Alemannia gegen den unbesiegten FSV Mainz 05. Überrascht hat ihn die Entscheidung kaum, schon vor dem Spiel hatte Schmadtke live im Fernsehen seinen Abschied zum Saisonende verkündet. «Eine voreilig, zu einem unglücklichen Zeitpunkt verkündete Entscheidung», kritisierte Aachens Geschäftsführer Frithjof Kraemer das Auftreten Schmadtkes im Deutschen Sportfernsehen (DSF). In einer ad hoc einberufenen Sitzung des Aufsichtsrats wurde noch in der Nacht die Beurlaubung des Sportlichen Leiters beschlossen. Mangelndes Vertrauen nannte der ehemalige Bundesliga-Torwart Schmadtke (Fortuna Düsseldorf, SC Freiburg) als Grund, seinen seit Dezember 2001 gültigen Vertrag am Saisonende nicht verlängern zu wollen. Die Entscheidung fiel schon nach dem ersten Vertragsgespräch. «Ich denke, dass aus diesem Gespräch deutlich geworden ist, dass man zum richtigen Zeitpunkt die Dinge beenden muss», so Schmadtke. Für die Vereins-Verantwortlichen kam der «richtige Zeitpunkt» am Montag. «Aufgrund der Gesamtsituation haben wir uns entschlossen, ihn mit sofortiger Wirkung zu beurlauben», sagte Kraemer.
Von Anfang an, seit der Gründung des Aachener Aufsichtsrats 2006, gab es einen schwelenden Konflikt mit dem Sportlichen Leiter, der als zu stur galt. Im Frühjahr bot Schmadtke seinen Rücktritt an, der aber wegen seiner geforderten Abfindung abgelehnt wurde. Im Sommer wollte der 44-Jährige dann seinen Vertrag doch verlängern. Das Fass zum überlaufen brachte wohl Schmadtkes provozierende Aussage wenige Minuten vor dem Spiel gegen Mainz. Im DSF erklärte er die Verhandlungen für gescheitert und seinen Abschied im Sommer. Die Alemannia-Verantwortlichen wussten nichts. Auch Trainer Jürgen Seeberger erfuhr es erst in der Halbzeit. Auf den Coach kommen schwierige Zeiten zu. Seebeger ist im Verein umstritten. Der Weggang seines Mentors machte es für ihn noch schwerer, obwohl Aachen auch den FSV Mainz 05 besiegte und in der Tabelle nur drei Punkte Abstand auf die Aufstiegsplätze hat. «Völlig verdienter Sieg für Aachen, die waren besser», sagte FSV-Coach Jörn Andersen, dessen Elf am achten Spieltag erstmals verlor. Die Tore vor 18 902 Zuschauern auf dem Aachener Tivoli erzielten Szilard Nemeth (25. Minute) und der Ex-Mainzer Benjamin Auer (30.). Seit Dezember 2001 arbeitete Schmadtke in Aachen - die erfolgreichste Zeit der Alemannia seit den 1960er Jahren. 2004 stand Aachen im DFB-Pokalfinale, erreichte 2005 die dritte Runde im UEFA- Cup und schaffte 2006 nach 36 Jahren Abstinenz den Aufstieg in die Bundesliga. Der Verein ist ist vollständig entschuldet und im Sommer wird das neue 50 Millionen Euro teure Stadion mit 32 000 Sitzplätzen eröffnet. Schmadtkes Nachfolger steht noch nicht fest. Kraemer will das «jetzt erst einmal sacken lassen».
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