Ernüchternde Bilanz nach Ausschreitungen in Rostock
Rostock (dpa) - 28.09.2008, 10:27 Uhr
Nach dem Spiel kommt es zu schweren Ausschreitungen in Stadionnähe.
Die Spuren der schwersten Fußball-Ausschreitungen seit sechseinhalb Jahren in Rostock waren noch zwei Tage später zu sehen: Glasscherben bedeckten den Stadionvorplatz, Steine aus dem Zug-Gleisbett lagen unweit einer Bahnstation in Hinterhöfen. Die Bilanz der Krawalle am Rande des Zweitliga-Spiels zwischen dem FC Hansa Rostock und dem FC St. Pauli (3:0) war erschreckend: Offiziell gab es 15 Verletzte, darunter waren sechs Polizisten. «Ich kann nicht nachvollziehen, was in deren Köpfen vorgeht, wahrscheinlich sind die Birnen leer», sagte Hansa-Vorstandschef Dirk Grabow. Mitte der Woche wollen Verein und Polizei über den Stand der Ermittlungen informieren. «Das sind keine Fußballfans, das sind Krawallmacher», meinte Theo Zwanziger, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), und bezeichnete die Vorfälle als «enttäuschend und frustrierend. Wir werden nie eine heile Welt haben, aber die Gesellschaft muss sich fragen, warum die Hemmschwelle für Gewalt so niedrig ist», sagte Zwanziger. Der DFB-Chef setzt auch künftig auf das Konzept der regionalen Fan-Projekte. In Rostock wird es am 30. September eröffnet.
Die Polizei war mit einer Deeskalationsstrategie und über 600 Beamten in Bereitschaft. «Beide Fan-Lager sind bis auf zwei Ausnahmen nie direkt aufeinandergetroffen», sagte Polizeisprecherin Dörte Lembke und verteidigte die Taktik der Polizei. Nach ihren Angaben haben sich Rostocker Fans nicht an eine Abmachung gehalten, die zuvor zwischen Anhängern, Verein, Ordnungsdienst und Polizei getroffen wurde. Als Hansa-Anhänger versuchten, nach dem Spiel eine Absperrung zu durchbrechen, setzte die Polizei zwei Wasserwerfer und Tränengas ein. Laut Augenzeugenberichten kam es zu wilden Prügeleien zwischen Polizei und Fans. Festnahmen habe es dabei aber nicht gegeben, erklärte Lembke. Schon vor der Partie waren 52 Personen vorläufig festgesetzt worden, 47 davon wegen des Verdachts des schweren Landfriedensbruchs. Sie befinden sich mittlerweile wieder auf freiem Fuß. Die Hansa-Anhänger sollen in einen Hinterhof gestürmt sein und versucht haben, die Hamburger Fans zu provozieren. Es kam zu Stein- und Flaschenwürfen. Dabei wurden mehrere Autos beschädigt. |