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Polizei verteidigt Taktik - Zwanziger frustriert

Rostock (dpa) - 27.09.2008, 13:07 Uhr

Vor dem Spiel kommen Fans des FC St. Pauli weitgehend friedlich mit dem Zug an.
Vor dem Spiel kommen Fans des FC St. Pauli weitgehend friedlich mit dem Zug an.

Nach den schweren Ausschreitungen beim Zweitliga-Fußballspiel zwischen dem FC Hansa Rostock und dem FC St. Pauli hat die Polizei ihr Vorgehen verteidigt.

Die Taktik, beide Fan-Gruppen nicht aufeinandertreffen zu lassen, sei bis auf zwei Ausnahmen aufgegangen, sagte Polizeisprecherin Dörte Lembke der Deutschen Presse-Agentur dpa. Eine Vereinbarung zwischen Hansa-Fans, Verein, Ordnungsdienst und Polizei sei von den Anhängern nicht eingehalten worden. Demnach wollten sich die Beamten im Hintergrund aufhalten, solange die Anhänger friedlich sind. Rostocker Fans hätten sich am Freitag aber nicht an die Abmachung gehalten, sagte die Polizeisprecherin weiter.

Bei den Auseinandersetzungen nach der Begegnung wurden den Angaben zufolge sechs Polizisten und neun Fans verletzt. Festnahmen habe es zu dem Zeitpunkt nicht gegeben. Vor der Partie waren 52 Personen vorläufig festgesetzt worden, 47 davon wegen des Verdachts des schweren Landfriedensbruchs. Sie befanden sich am Samstag wieder auf freiem Fuß.

Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Theo Zwanziger, hat sich frustriert und enttäuscht gezeigt. Am Rande der Frauen-Vollversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) in Halle/Saale sagte Zwanziger, dass es sich wieder einmal um Gruppen mit krimineller Energie handele, die sich außerhalb des Stadions Aufmerksamkeit erheischen wollten. «Das sind keine Fußball-Fans, sondern Krawallmacher», betonte der DFB-Präsident.

Zwanziger erklärte, die Gesellschaft müsse sich die Frage stellen, warum die Hemmschwelle so niedrig geworden ist. «Liegt es möglicherweise am Internet, dass die Hemmschwellen unterschritten werden, dass es eine Gossen-Sprache gibt, die keinerlei Respekt mehr zulässt?», fragte Zwanziger. Der DFB werde weiter seine Strategie der Arbeit mit den Fans und den Fanprojekten verfolgen.


Er hoffe, dass die Fußball eigenen Bestrafungen wie Stadionverbote auch in diesem Fall greifen werden. Er schloss auch Sanktionen für die Vereine nicht aus. «Das wird der Kontrollausschuss prüfen», meinte Zwanziger, der vor allem den verletzten Beamten sein Mitgefühl übermittelte. «Das sind diejenigen, die es am meisten trifft», sagte der DFB-Präsident.

Nach dem 3:0-Heimsieg der Rostocker im brisanten Nord-Derby hatten Hansa-Fans versucht, in den Gästeblock zu gelangen. Anschließend war es außerhalb des Stadions zu Zusammenstößen gekommen. Augenzeugen berichteten von schweren Prügeleien außerhalb der Arena zwischen Polizei und Fans. Es war von rund 20 Verletzten die Rede. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein, weil Hansa-Fans eine Absperrung durchbrechen wollten. Zum Spiel waren rund 600 Beamte aus Mecklenburg-Vorpommern, Bayern und von der Bundespolizei im Einsatz.

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