Zweitliga-Trainer zwischen Ligastress und Schulbank
Köln (dpa) - 29.08.2007, 11:04 Uhr
Neben dem Spielbetrieb geht Trainer Jos Luhukay zum Trainer-Lehrgang.
Im Trainer-Lehrgang an der Deutschen Sporthochschule Köln ist die Stimmung zur Zeit angespannt. Mönchengladbachs Trainer und Lehrgangs-Teilnehmer Jos Luhukay hat derzeit keinen Nerv für graue Theorie, denn mit ihm drückt ausgerechnet Osnabrücks Trainer Wollitz die Schulbank. Am 2. September treffen beide Trainer mit ihren Teams aufeinander. Sollte Gladbach verlieren, könnte Luhukay nach nur zwei Punkten aus vier Spielen seinen Job verlieren. «Bei so einem Start ist es doch klar, dass Luhukay nicht den Kopf für den Lehrgang frei hat», sagt DFB-Ausbildungsleiter Erich Rutemöller. Zusammen mit Luhukay und Wollitz paukt auch St.-Pauli-Coach André Trulsen in Köln. Luhukay hatte in der vergangenen Saison die Borussia mit einer Sondergenehmigung in der Bundesliga betreut und war mit dem Club in die 2. Liga abgestiegen. In den vergangenen Jahren haben sich die Fälle von Trainern gehäuft, die parallel zum Trainingsalltag fehlende Diplome nachholen müssen, um vom DFB weiter die Lizenz zum Trainieren zu erhalten. Unter anderem rückten Petrik Sander (Energie Cottbus), Thomas von Heesen (damals Arminia Bielefeld), Edmund Becker (Karlsruher SC) und Marco Kurz (1860 München) zum Lehrgang in Köln an, während sie sich zugleich um ihre Teams kümmern mussten.
«Die derzeitige Regelung, dass Trainer parallel zum Spielbetrieb ihre Profi-Lizenz nachmachen können, ist eine goldene Brücke vom DFB», sagt Rutemöller. In Zukunft soll es keine Sonderregelungen mehr geben. «Gerade wenn die 3. Liga eingeführt wird, müssen Trainer die Fußballlehrer-Lizenz haben», deutet der 62-Jährige ein Ende der gnädigen Linie und der tolerierten Ausnahmeregelungen an. Besonders hart traf die neue strikte DFB-Linie in diesem Jahr den FC St. Pauli. Der Erfolgscoach der Aufstiegssaison, Holger Stanislawski, musste zumindest offiziell ins zweite Glied rücken, da er noch nicht einmal die B-Lizenz hat. Mit einer offenkundigen Strohmannlösung wurde André Trulsen zum Chefcoach befördert. Aber auch ihm fehlt noch die A-Lizenz, die er gerade zusammen mit den Zweitliga-Kollegen aus Gladbach und Osnabrück an der Sporthochschule in Köln macht. Auch der zunächst ins zweite Glied gerückte, nach dem Rauswurf von Djuradj Vasic nun aber doch bei Aufsteiger SV Wehen Wiesbaden als Trainer fungierende Christian Hock hat keine Trainerlizenz. Co-Trainer Steffen Vogler absolviert in der Domstadt den geforderten Lehrgang. «Das geht ganz schön an die Substanz», gibt Trulsen zu. Vier Tage ist er in Köln, dann geht es zum Trainieren zurück nach Hamburg. Da auch Teamchef Stanislawski zur Zeit für die B-Lizenz paukt, müssen sich die Kiezkicker ab und an ohne ihre Chef-Trainer vergnügen. «Das belastet uns gar nicht, dann haben wir wenigstens unsere Ruhe beim Training», sagte Mittelfeldspieler Timo Schultz.
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