KSC patzt - «Löwen» feiern Kurz
10.04.2007, 13:00 Uhr
Torben Hoffmann (l) und Danny Schwarz von 1860 München freuen sich über den 2:0-Sieg gegen den KSC.
München (dpa) Maik Franz wähnte sich im falschen Film. «Es sah so aus, als wenn 1860 auf Platz eins steht und wir unten drin», kommentierte der Verteidiger des Karlsruher SC nach der 0:2-Pleite beim TSV 1860 München. Das Topspiel der 2. Fußball-Bundesliga verlief so gar nicht nach dem Geschmack des Spitzenreiters. Statt mit einem Sieg über die Sechziger die traditionelle Aufstiegs- Messlatte der 60 Punkte zu erreichen, enttäuschte der KSC auf ganzer Linie und ermöglichte mit seiner schlechten Leistung Marco Kurz ein vollauf gelungenes Heimdebüt als «Löwen»-Trainer. «Wir haben ein grottenschlechtes Spiel abgeliefert», schimpfte KSC-Trainer Edmund Becker nach einer Partie, in der sein Team den Nachweis seiner Erstliga-Tauglichkeit schuldig blieb. «Gratulation für 1860 für dieses gute Spiel - natürlich mit sehr, sehr großer Unterstützung unsererseits», monierte der KSC-Coach nach der fünften Saison-Schlappe. Vor den rund 15 000 mitgereisten Club-Anhängern stemmte sich nur Keeper Markus Miller merklich gegen die Niederlage. Becker klagte aber auf hohem Niveau: Zwar stoppte das 0:2 nach Toren von Berkant Göktan (56.) und Gregg Berhalter (70.) den KSC auf dem Sturmlauf ins Oberhaus. Das Polster auf die Nicht-Aufstiegsplätze beträgt sechs Runden vor Saisonende aber noch komfortable 9 Punkte.
Für die einen war es ein Abend, den es schnellstmöglich abzuhaken galt, für die anderen war es eine Nacht, die in Erinnerung bleiben dürfte: Die Mannschaft von 1860 zeigte beim Heimdebüt ihres neuen Trainers Kurz ihr wohl bestes Saisonspiel. «Sensationell. Wir sind super aufgetreten», schwärmte Sportdirektor Stefan Reuter nach der Partie, in der die stürmischen «Löwen» den souveränen Tabellenersten regelrecht überrannten und in keiner Phase dessen spielerische Möglichkeiten entfalten ließ. «Ich denke, dass wir hochverdient gewonnen haben, das war eine tolle Leistung», sagte Kurz zufrieden. Schnellstmöglich 41 Punkte für den Klassenverbleib zu erzielen: So lautete Kurz' Zielsetzung bei seinem Amtsantritt am 18. März. Dass ihm das in nur zwei Spielen mit der Maximal-Ausbeute von sechs Zählern gelang, dürften selbst Optimisten im 1860-Umfeld kaum zu hoffen gewagt haben. Flugs wurde spekuliert, was wohl passiert wäre, wenn Kurz den zuletzt glücklosen Österreicher Walter Schachner schon eher abgelöst hätte. Kapitän Berhalter merkte an, «dass wir oben stehen würden, wenn wir immer so gespielt hätten». Spieler des Abends vor 51 000 begeisterten Fans in der Allianz Arena war Berkant Göktan. Der Stürmer, erst zur Rückrunde in den Profikader befördert, war ständiger Unruheherd und erzielte in seinem siebten Saisonspiel den vierten Treffer. Nach der Partie bekundete der Türke, dessen Vertrag zum Saisonende ausläuft, seine Treue zum Club: «1860 ist mein erster Ansprechpartner. 1860 hat mich zurück in den Profifußball gebracht, ich bin dem Club sehr dankbar. Ich hoffe, die Verhandlungen gehen so schnell wie möglich über die Bühne.»
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