RW Essen: Zum 100. zwischen Tradition und Hoffnung
Essen (dpa) - 30.01.2007, 11:47 Uhr
Der Essener Trainer Lorenz-Günther Köstner gestikuliert am Spielfeldrand.
Der Jubilar steckt mal wieder tief in der Krise, die Party zum runden Geburtstag will sich Fußball-Zweitligist Rot-Weiss Essen aber dennoch nicht verderben lassen. «Momentan kränkeln wir ein bisschen, aber man kann sich den Zeitpunkt eines Jubiläums eben nicht aussuchen», sagt der RWE-Vorsitzende Rolf Hempelmann, dessen Club am 01. Februar die Gala zum 100-jährigen Bestehen als Tabellenvorletzter ausrichtet. Der Abstiegsplatz passt zum Fest, denn trotz einiger früherer Erfolge kämpfte RWE zumeist um die sportliche Existenz. Der Verein aus dem Essener Norden, der am 1. Februar 1907 als SV Vogelheim gegründet wurde und 1923 nach mehreren Fusionen seinen heutigen Namen erhielt, kann auf eine große Tradition zurückblicken. Vor allem dem Industriellen Georg Melches, der nach dem 2. Weltkrieg den Wiederaufbau des später nach ihm benannten Stadions an der Hafenstraße vorantrieb, hat RWE seine größten Stunden zu verdanken. Zu Beginn der 50er Jahre stellte er ein Team zusammen, das begeistern konnte. Die legendäre «Gottschalk-Elf» um Kapitän August Gottschalk gewann 1953 den DFB-Pokal und zwei Jahre später nach einem 4:3-Erfolg im Finale über den 1. FC Kaiserslautern die deutsche Meisterschaft.
Stürmer wie «Boss» Helmut Rahn, der Deutschland 1954 beim «Wunder von Bern» zum WM-Titel schoss und Franz «Penny» Islaker, dem 1955 im Meisterschafts-Finale drei Tore gelangen, prägten die erfolgreichste Zeit des Vereins, bei dem auch in den nachfolgenden Jahren vor allem herausragende Stürmer für Furore sorgten: Willi «Ente» Lippens, Horst Hrubesch, Manfred Burgmüller und Frank Mill sorgten mit Toren dafür, dass RWE bis 1977 sieben Spielzeiten in der Bundesliga vertreten war. «Es waren großartige Jahre. Jeder Ball, den unser Kopfball- Ungeheuer Hrubesch nicht bekam, fiel mir vor den Füße», erinnert sich Mill. Und Lippens, der die Fans mit Dribblings in seinem ungewöhnlichen Watschelgang verzückte, meinte: «Viele Gegner haben Dünnpfiff bekommen, wenn sie zur Hafenstraße mussten.» Dann aber folgte mit zwei Lizenzentzügen der Absturz. RWE stieg nicht nur aus der 1. Liga ab, sondern rutschte bis in den Amateur-Bereich. 1998/99 musste der Club sogar in der viertklassigen Oberliga Nordrhein ran. Mehrere Skandale erschütterten den Club, doch wenn an der Hafenstraße das Licht angeknipst wurde, kamen trotzdem tausende Zuschauer. |
Unter dem SPD-Bundestagsabgeordneten Hempelmann, der 1998 den Vorsitz übernahm, gelang die wirtschaftliche Konsolidierung und der sportliche Aufstieg bis in die 2. Liga. «Trotz einiger Rückschläge hoffen wir, dass sich Essen dauerhaft im Profifußball etablieren kann», sagt Hempelmann, dessen kurzfristiges Ziel der Klassenverbleib ist. Da Tradition verpflichtet, wird aber weiter gedacht. Hempelmann: «Momentan verbietet es sich eigentlich darüber zu reden, aber in Essen muss der langfristige Anspruch natürlich der Wiederaufstieg in die 1. Liga sein». Er verweist darauf, dass der Wirtschaftsstandort Essen im Jahre 2010 als europäische Kulturhauptstadt firmiert. Die Hoffnungen, zur Jubiläums-Gala, an der auch DFB-Präsident Theo Zwanziger in der Philharmonie Essen teilnehmen wird, die Grundstein- Legung für ein modernes Stadion zu verkünden, haben sich zerschlagen. «Ohne sportlichen Erfolg fehlen die Investoren und umgekehrt», sagt Hempelmann, der daran arbeitet, den Neubau voranzutreiben und den Jubilar nach den Feierlichkeiten aus dem Krankenbett zu entlassen.
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