1860 München verschärft Streit um Sponsor
München (dpa) - 17.07.2006, 16:05 Uhr
Die Spieler von 1860 München trainieren in den Trikots des umstrittenen Sponsors.
Unter den Augen der Staatsanwaltschaft haben die Fußball-Profis des TSV 1860 München erstmals in Deutschland mit der umstrittenen Trikotwerbung des neuen Hauptsponsors trainiert. Am Nachmittag präsentierte sich der Kader auch beim offiziellen Mannschaftsfoto mit dem Sponsoren-Aufdruck «bwin.de» («betandwin»). Eine mögliche gerichtliche Auseinandersetzung zwischen dem Zweitligisten und dem Freistaat Bayern ist damit näher gerückt. Bayerns Landesregierung betrachtet das Unternehmen «betandwin» als illegalen Wettanbieter. «Wenn 1860 an der Werbung festhält, schicken wir ihnen den Staatsanwalt ins Haus», hatte ein Sprecher des Innenministeriums angekündigt. Das war am Montag der Fall, als die erste Übungseinheit der «Löwen» nach dem Trainingslager in Österreich auf dem Vereinsgelände von der Staatsanwaltschaft München beobachtet wurde, wie Oberstaatsanwalt Anton Winkler der dpa bestätigte. «Wir haben uns das Geschehen angeschaut. Das war ein Beobachtungsvorgang», sagte Winkler. Mit einer Kamera wurden Bilder festgehalten. Zu Beeinträchtigungen des Trainingsablaufes kam es nicht. Der Verkauf der neuen Trikots mit dem Aufdruck «bwin.de» lief wie geplant an.
Zum Besuch der Staatsanwaltschaft bemerkte 1860-Geschäftsführer Stefan Ziffzer: «Wer nicht damit gerechnet hat, war naiv.» Seiner Meinung nach stehe die Rechtsauffassung in ganz Europa gegen die Bayerische Staatsregierung. «Sie ist mit dem EU-Recht nicht vereinbar», sagte der 53-Jährige Volkswirt. Manager Stefan Reuter wünscht sich, «dass die Sache relativ schnell geklärt wird. Das liegt im Interesse aller.» Man sei der Meinung, «nichts Verbotenes» zu tun, ergänzte der Ex-Nationalspieler. Er sagte aber auch: «Wir müssen mit allem rechnen.» Ein Ministeriumssprecher verdeutlichte dagegen die Entschlossenheit des Freistaates: «Illegales Glücksspiel und Werbung ist ein Straftatbestand. 1860 pfeift im Walde», sagte Michael Ziegler. Auf der Internetseite «bwin.de» soll zum 1. August ein neues Portal mit kostenlosen Online-Spielen entstehen, die auch in Bayern erlaubt sind. Derzeit ist die Seite noch inhaltsfrei. Ziffzer wies erneut darauf hin, dass «betandwin» mit einer Lizenz aus Sachsen agiere. |