Benjamin Köhlers Glücksmoment: «Schritt zu alter Stärke»

Oliva Nova (dpa) - 18.01.2016, 12:20 Uhr
Benjamin Köhlers Glücksmoment: «Schritt zu alter Stärke»
Benjamin Köhler (r) klatscht mit den Teamkameraden vom 1. FC Union beim Testspiel im spanischen Oliva ab. Foto: Matthias Koch

Fans und Spieler applaudierten euphorisch, Trainer Sascha Lewandowski nahm Benjamin Köhler liebevoll in die Arme: Bei seinem ersten Einsatz nach 357 Tagen Leidenszeit wegen einer Lymphdrüsenkrebs-Erkrankung war der Berliner Fußball-Profi Köhler von Glücksgefühlen beseelt.

80 Minuten hatte der Mittelfeldspieler vom 1. FC Union im Testspiel gegen AFE Espana (4:0) auf dem Platz gestanden. Er leitete das 1:0 ein und pushte mit einem verwandelten Elfmeter in der 76. Minute seine Euphorie. «Das war ein sehr emotionaler Moment», gestand Köhler nach der Partie. «Für mich war es wichtig, mal wieder mit den Kollegen auf dem Feld zu stehen.»

Anfang Februar 2015 war bei dem heute 35-Jährigen die schockierende Krebs-Erkrankung diagnostiziert worden. Es folgte eine anstrengende Zeit mit mehreren Chemotherapien. Zugleich durchzog eine bundesweite Solidaritätswelle das Land. Der 1. FC Union verlängerte umgehend Köhlers Vertrag bis 2017. Doch an eine Fortsetzung der Karriere war eigentlich nicht zu denken. Umso größer nun auch die Freude bei den 200 ins Trainingslager mitgereisten Union-Anhängern, dass ihr Idol erstmals wieder auf dem Rasen stand.

«Ich kann nur hoffen, dass es so weiter geht. Jede Minute, die ich spielen darf, hilft mir. Ich bin einfach nur glücklich», sagte der sichtlich erschöpfte Köhler nach seinem Einsatz. «Wir haben zum Glück einen Elfmeter bekommen. Die Mitspieler haben gesagt, ich soll gleich schießen. So habe ich mal wieder ein Tor gemacht», sagte Köhler schmunzelnd. «Es war wichtig für die Fitness. Ab und zu ging mir schon die Pumpe. Aber das war normal», räumte er ein.

Ende August war Köhler wieder ins individuelle Training eingestiegen. Mitte November 2015 machte er die ersten Zweikämpfe in Spielformen mit. In Spanien ließ ihn Lewandowski bei weitem nicht das volle Pensum absolvieren. Aber im letzten Testspiel durfte Köhler ran. «Ich fand es einfach schön. Ich denke, Benny ist jetzt so richtig platt und durch. Aber das trägt einen ja dann doppelt und dreifach», meinte der Trainer: «Es war auch klar, dass ich ihn irgendwann rausnehme. Damit er auch noch ein bisschen diesen Applaus bekommt.»

Niemand weiß derzeit, ob Köhler zu alter Stärke zurückfinden kann und demnächst wieder regelmäßig in der 2. Bundesliga zum Einsatz kommen wird. Köhler selbst sagt, dass er noch vier bis sechs Wochen brauchen werde, um auf dem dafür nötigen Niveau zu sein. So oder so genießt er es, überhaupt wieder dabei zu sein. «Ich freue mich auf jeden Einsatz, um meiner alte Stärke näher zu kommen. Dieses Spiel war auch ein Schritt», sagte Köhler. «Zu gewinnen ist etwas Schönes, selbst wenn es nur ein Freundschaftsspiel war. Viele trauen es mir nicht zu, wie ich gelesen habe. Ich glaube, ich werde sie eines Besseren belehren», sagte Köhler.

Text zu Köhler-Comeback auf Union-Homepage

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